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The Google Conundrum

Last updated on 22. März 2019

Google bereitet mir zunehmend Probleme….

Es ist schon interessant: vor vielen Jahren gehörte ich zu den early adopters einer kleinen, unbekannten Suchmaschine namens Google… heute ist es ein Imperium, das wohl nur noch von Amazon in den Schatten gestellt wird. (Historische Randnotiz: Jeff Bezos gehörte zu den Investment Angels, die Google ihr Startkapital gaben.) Heute dominiert Google nicht nur den Suchmaschinenmarkt, sondern auch eine Menge anderer Bereiche.

Google loszuwerden ist quasi ebenso unmöglich wie Amazon loszuwerden. Wer im 21. Jahrhundert lebt und ein Smartphone besitzt, kommt auf irgendeinem Weg um Google, Apple, Amazon, Facebook einfach nicht herum. Angetreten war Google mal mit „we are not evil“, aber das darf man wohl geflissentlich als überholt betrachten. Ob Zensurmaßnahmen, Zusammenarbeit mit dem Militär und Überwachungsmaschinerie oder toxische Harassment-Umgebungen im Silicon Valley, all diese Dinge betreffen auch Google. Aber auch das ist, das gebe ich offen zu, nicht mein (primäres) Problem mit Google.

Das erste und älteste und nervigste Problem: Google hat – über den Search Engine hinaus – für den (privaten) Endkunden keine konsequente Produktpolitik. Alle fünf Minuten werden neue Dinge ausgerollt, ausprobiert, und wieder fallen gelassen. (Eine Übersicht all dieser oft gehypten und schnell vergessenen Dienste listet der Google Cemetery auf). Die beiden letzten Opfer sind Google Hangouts und Google Plus. Beide sind für mich wichtige Bestandteile meines Workflows gewesen – ebenso wie der früh verstorbene Google RSS Reader (auch wenn Google am Rise and Demise of RSS nur sehr tangential beteiligt war).

Takeaway Message: verlass dich nicht auf Google Produkte, denn die Arbeit, die man in die Entwicklung eines Profils, einer Infrastruktur, eines Workflows steckt, kann in ein oder zwei Jahren schon völlig für die Katz sein. Danke, Google.

Google werde ich auf absehbare Zeit nicht loswerden können: ein Smartphone ist für mich ein Arbeitsgerät, und ich bin nicht willens, Apple die Feenstaubpreise für ihre iPhones in den gierigen Schlund zu werfen. (Außerdem ist das im Grunde das gleiche Problem, nur in anderer Farbe, und mit anderen Tücken). Tatsächlich kann ich mir gut vorstellen, mittelfristig mein altes Macbook, das ich gerade technisch etwas aktualisiert habe, gegen moderne Technik wie die neuen Huawei-Notebooks zu tauschen – aber ich schweife ab 😉 .

Google Plus: Was ein Teil meiner Timeline als ein „schon seit Jahren totes Netzwerk“ bezeichnet, ist tatsächlich eine sehr vielfältige Plattform für Austausch zu den diversesten Themengebieten geworden, und leider führt das Verschwinden von G+ zu einer Balkanisierung der einzelnen Themenbereiche. Einen wirklich brauchbaren Ersatz gibt es nicht, weder was ein kuratiertes Knowledge-Management noch die Vielfalt der Communities angeht. Pinterest ist weitgehend unbenutzbar; Ingress-Gruppen treffen sich auf Telegram; die Fotocommunities wandern zu Ello oder Flickr ab; ein Teil der Communities ist bei MeWe oder Minds hinter Walled Gardens verschwunden, oder – auch wenn das die seltenste Variante ist – zu den Facebook-Gruppen abgewandert; und einige wenige haben sich in die Diaspora verloren. Für’s erste habe ich einen Diaspora-/ Pluspora-Account, wenn ich auch damit noch nicht so richtig warm werde. Da ich aber auch den facebook-Account meist brach liegen lasse, weiß ich noch nicht, wie meine Nutzung da in einem Jahr aussehen wird.

Google Maps: Es gibt derzeit keine vernünftige Alternative zu Google Maps. Mit Maps navigiere ich zu Fuß, per Fahrrad, per  Auto, im In- wie im Ausland. Natürlich; ich gebe damit Big Brother meine Bewegungsdaten, aus denen Google dann extrapoliert, wer sich wann womit wie schnell wohin bewegt…  aber solange nicht ein EMP weltweit zum Ausfall von Navigationssystemen sorgt, werde ich auch weiterhin so etwas benutzen.

Google Hangouts sind hier mittlerweile nahtlos durch Telegram ersetzt. Tatsächlich ist Telegram sehr viel einfacher zu handhaben und läuft auf so ziemlich allem, ist also auch weiterhin plattformunabhängig, was mir sehr recht ist.

Google Drive:  Drive ist effektiv die Heimat von Google Docs, und da ich momentan keine Office-Lösung im Einsatz habe, nutze ich diese ganz gerne. Wichtiger als diese ist allerdings der (nicht umfangreiche, aber für meine Zwecke absolut ausreichende) Webspeicher, auf den derzeit meine Blog-Backups automatisiert laufen.

Google Chrome: Lange Jahre war Chrome ein schöner, schlanker, schneller Browser. Wie anscheinend alle Browser ist es im Lauf seines Lebens aber ein immer größeres und schwierigeres Ungetüm geworden, das RAM frisst, und die neuen Policies von Google hinsichtlich Adblockern lassen nichts Gutes erahnen. (Mittlerweile benutze ich, seit Quantum, wieder lieber Firefox). Hinzu kommt, dass meine Google-Suchen, selbst wenn ich „inkognito“ arbeite, mir zugeordnet werden; das ohnehin by Design kaputte Flash ist auf Chrome noch kaputter, aber vor allem: schon seit längerem zickt Chrome (wie auch Youtube) bei der Verwendung gängiger VPN. Das bringt mich zu

Google Mail: Im Zuge mobilen Arbeitens und von gewollt plattformunabhängigem Workflow habe ich vor einigen Jahren mehr oder minder meinen kompletten Mailverkehr auf Gmail umgestellt. Vom grundlegenden Problem von Privacy/Datenschutz und Google Knows Everything mal ganz abgesehen, ist Gmail, trotz aller Google Suchfunktionalitäten, ebenso über die Jahre unhandlicher geworden, die Bedienung weniger hilfreich, und die Suchen unzuverlässiger. Nach dem letzten großen zwangsweisen Redesign funktioniert die Hälfte dessen, was ich mir komfortabel eingerichtet hatte, nicht mehr. Und wenn ich auf Reisen bin, möchte ich, bitte sehr, meine Mails auf einem sicheren VPN lesen können – wenn Google Mail dieses „aus Sicherheitsgründen“ blockiert, ist das für mich ein Grund, dem Dienst den Rücken zu kehren. Mittelfristig möchte ich wieder die volle Kontrolle über meine Mail haben, vorzugsweise, ohne die Mail wieder in proprietären Mailclients zu versenken. Eine wirkliche Lösung habe ich dafür aber noch nicht.

Last but not least: Google Fotos. Momentan deckt Google Fotos für mich den „Gallery“-Bereich für die Blogs ab, weil ich Dinge, die ich bislang bei Flickr im Album hatte, nun in entsprechende Sets bei Google Fotos lege. Mittelfristig werde ich wohl in den sauren Apfel beißen und mir mehr Speicher auf meinem Webspace dafür kaufen müssen, aber vorerst scheue ich die Kosten noch. Und ich bin tatsächlich ganz froh, dass Google quasi erst mal automatisiert meine Fotos vom Android-Smartphone alle irgendwo im Web sichert. Nur: im Web gesichert ist nicht dasselbe wie sicher, und wie man am Beispiel von IBM und der Gesichtserkennung mittels CreativeCommons-Bildern von Flickr sieht, ist man vor Missbrauch einfach nicht gefeit. Außerdem vergisst man auch schnell, dass Google da im Hintergrund was macht. Was besonders dann lustig ist, wenn man mal eben jemandem ein Foto des eigenen Passes (etwa für eine Flugbuchung) macht und mailt – das ist mir tatsächlich passiert –  oder schnell mal was per Handy „scannt“, statt es auf den Flachbettscanner zu legen, und *wups* liegen da vertrauliche Daten irgendwo rum…

Außerdem sammelt sich, wie ich gerade wieder feststellte, dort einfach ein unheimlicher Wust an Datenmüll an – wenn ich irgendwas für einen Blogartikel mehrfach fotografiere, und nicht dran denke, das im Web aufzuräumen, liegen dann da 16 unscharfe oder fehlbelichtete Bilder neben den dreien, die ich wirklich benutze. Per se nicht wirklich schlimm, aber völlig bescheuert, wenn man dann eben doch mal was aus der Sicherung suchen sollte und sich erst mal, womöglich noch am Handy, durch all die hochauflösenden Kopien zappen darf, die für die Tonne sind. Es braucht also Disziplin, den automatisiert hochgeladenen Kram („man könnte es ja nochmal brauchen“) entweder konsequent regelmäßig zu sichten, oder aber den bequemen Sync abzustellen. (Im Kontrast: meinen ebenso automatisierten Dropbox-Upload der Fotos sichte ich schon deswegen regelmäßig, weil – zumindest noch – Dropbox mir diese Bilder dann auch auf den Arbeitsrechner wirft, wo ich sie bequemer sichten, bearbeiten und an ihren endgültigen Bestimmungsort auf dem Fileserver schieben kann.)

Summa summarum: es ist gar nicht so einfach, sich von Google (oder den anderen großen Diensten) zu lösen, und das nicht nur, weil sie „kostenlos“ und bequem sind. Ich wäre durchaus auch bereit, für andere Lösungen zu bezahlen, aber das sind dann entweder Insellösungen, die nur auf einer Plattform funktionieren (wer einen Mac hat. muss zwingend auch ein iPhone nutzen; Software X gibt es nur für Windows, aber nicht für den Mac, oder wenn für beides, dann mit unterschiedlichen Funktionen, Sync zwingend nur über Y-Service…), oder wieder monströse Systeme, die am Ende genauso kaputt sind wie Apple, Google, Facebook und Co.

 

 

Veröffentlicht in Querbeet

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