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Filmnachlese 2020 – Was vom Jahre übrigblieb

Letzte Aktualisierung: 18. Januar 2021

Da meine letzte Filmnachlese aus dem Mai 2020 datiert, bekomme ich nicht mehr alles zusammen, was wir seither gesehen haben, aber „das, woran ich mich erinnern kann“ ist ja auch kein so schlechter Filter.

Dokus

After Truth: Disinformation and the Cost of Fake News

HBO-Doku von 2020, die sich mit dem QAnon/Alex-Jones-Block und Pizzagate befasst, Fake-News-Mechanismen analysiert, und einige FakeNews-Verbreiter selbst zu Wort kommen lässt. Hochinteressant; erschreckend für mich die Kaltschnäuzigkeit und völlige Amoralität derer, die das Verbreiten bösartiger Theorien nur als „Tool“ sehen, um eben irgendwas zu erreichen. Entlarvend: Originalmaterial, das die Köpfe hinter einer Kampagne gegen Robert Mueller (u.a. Jacob Wohl) zeigt, wie sie sich etwas zusammenfantabulieren, das weder Hand und Fuß hat, wo das einzige was zählt, mediale Reichweite ist.

Faszination Arktis

In die Doku haben wir zufällig hineingezappt, bei einem Arktis-Thementag auf Phoenix. Faszinierende Bilder aus einer eisigen Unterwasserwelt, die von geisterhaftem Licht durchleuchtet und von alienartigen Lebewesen bevölkert wird; gleichzeitig ein Bericht über das Schwinden der Arktis und das Sterben ihrer Lebensräume. Faszinierend, fremdartig.

Magische Gärten. Das Arboretum von Trsteno

Ich liebe botanische Gärten. Die arte-Doku erzählt  sie Geschichte des Arboretums, das wenige Kilometer von Dubrovnik entfernt an einem Steilhang über dem Mittelmeer liegt, führt durch die Architektur und Pflanzenwelten. Ein schöner Fall von armchair travel, und ein mögliches Ziel für eine Zukunft, in der Reisen wieder geht,

Memory – The Origins Of Alien

Doku aus dem Jahr 2019 über die Entstehung des Films Alien.

Querbeet extra: Gärten in Spanien

Die Doku aus dem Jahr 2018 fängt an der katalonischen Küste an und führt bis nach Andalusien, dabei werden verschiedene interessante Parks und botanische Gärten vorgestellt. Inspirierend.

Wild, Wild Country

Doku-Serie über die Bhagwan-Jünger in zunächst Poona, dann Oregon. Regelmäßig taucht Ma Anand Sheela als Testimonial auf, die indische Schweizerin ist auch Mitproduzentin, und so ist von Anfang an klar, dass mit einer kritischen Darstellung der Bhagwan-Sekte nicht zu rechnen ist. Die Doku wirft interessante Schlaglichter auf die Kultur der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts. Dennoch nach zweieinhalb Folgen abgebrochen, weil ich die kognitive Dissonanz der interviewten Ex-Sannyasins und die Lobhudelei nicht länger ertragen konnte.

Serien

Away

Away handelt von einer Marsmission, aber die Mission ist eigentlich nur eine Randnotiz. Statt dessen geht es um persönliches Drama, persönliches Drama, und, ehe ich es vergesse, persönliches Drama. Insgesamt ist schon die Prämisse hochunglaubwürdig (erst recht, wenn man weiß, wie AstronautInnen für solche Missionen tatsächlich ausgewählt und gescreent und trainiert werden), denn die wesentlichen Handlungsstränge werden von Misstrauen und Missgunst zwischen den einzelnen Teilnehmern bestimmt, die sich dann aber – natürlich – irgendwann doch für das große Ganze zusammenraufen.

Ja, wir haben es zu Ende geschaut, aber es wurde zu Recht abgesetzt. Kein großer Wurf.

Dollhouse

Ich hatte die von Joss Whedon produzierte Serie vor vielen Jahren schon gesehen; dem Liebsten war sie neu, deswegen haben wir dieses Jahr beide Staffeln nochmal zusammen geschaut. Dollhouse ist erstaunlich gut gealtert. Mit rund 10 Jahren Abstand ist frappierend zu sehen, wie gut die Show doch sowohl den Aufstieg von AI und Psychopathen vom Typ Mark Zuckerberg vorweggenommen hat, als auch eine Menge der Themen überspitzte, die wir in den letzten Jahren in der Serie Westworld wiederfinden. Kann man sehr gut (erneut) schauen.

Snowpiercer (Season 1)

Nachdem wir den Film gesehen hatten, haben wir uns auch an die Serie gewagt. Wer das Genre postapokalyptisch-sozialkritischer Scifi mag, wird hier gut bedient. Tatsächlich fand ich die Serie besser als den Film, vielleicht auch, weil in den Episoden mehr Raum ist, um Hintergründe und Personen ausführlich darzustellen.

Space Force

Was Space Force nicht ist: eine SciFi-Show.

Was Space Force ist: eine sehr auf Steve Carell hin optimierte, böse Politik-Satire, deren plakative Dämlichkeit manchmal anstrengend ist, die aber oft sehr genau den Finger in die schwärenden Wunden der aktuellen US-Politik legt. – Gut.

Star Trek: Lower Decks

„Ach ja, schau’n wir mal rein“ und „Ist ja sicher für Kiddies gemacht“ waren unsere ersten Reaktionen auf die Ankündigung von Lower Decks. Und dann entpuppte sich das bonbonbunte Teenie-Animations-Spektakel doch als sehr ordentliche, rotzfrech-respektlose Serie mit sehr viel gelungenem Star Trek-Flair und -brimborium – Cameos beliebter Stars inklusive. Machte uns als Trekkies viel Freude, und wir sind gespannt auf die nächste Staffel.

Westworld (Season 3)

Ähm. Ja. Also. Ja, visuell, nett, etc. Aber ansonsten eher kolossale Zeitvergeudung. Storytelling geht irgendwie anders, gutes Storytelling sowieso. Ich glaube nicht, dass ich davon eine vierte Staffel sehen will oder muss.

Filme

6 Underground

Ein eher verzichtbarer Actionfilm mit einer gediegenen James-Bond-Werbeclip-Optik. Sieht man dann den Film von Michael Bay als Zusammenschnitt als Image-Werbung für Abu Dhabi im TV, ergibt das schon mehr Sinn.

21 Bridges

Bei einem Drogendeal in New York werden 7 Polizisten und ein Zivilist erschossen. Detective Andrew Davis (Chadwick Boseman) nimmt unmittelbar die Ermittlungen auf. auf der Jagd nach den Tätern kommt es dazu, dass alle 21 Brücken, die Manhattan mit dem Umland verbinden, gesperrt werden.
Ein halbwegs solider Krimi, der zunächst langsam erzählt wird, dann aber rasant in Action wechselt, mit einem relativ vorhersehbaren Plot, und einem (leider) unlogischen und unrealistischen Ende.

Dolemite Is My Name

Eddie Murphy begibt sich in diesem halbbiografischen Film in die 70er Jahre und schlüpft in die Haut des Blaxploitation-Stars und Komödianten Rudy Ray Moore. Der Film ist ebenso schräg wie die dargestellte Figur, und vermittelt sehr viel vom 70er-Blaxploitation-Flair, aber auch dem Rassismus und der Kultur der Zeit. Sehr gut gemacht, Murphy brilliert.

Knives Out

Knives Out ist ein geradezu klassisches Whodunnit, opulent in Szene gesetzt, und mit einem veritablen Cast, von Jamie Lee Curtis über Frank Oz, Don Johnson, und Daniel Craig bis Christopher Plummer. Die Geschichte macht Spaß und hat ein paar abgedrehte Plot Twists. Als Theaterstück wäre das Ganze vermutlich fabelhaft.
Der einzige Haken an dem Film ist bedauerlicherweise Daniel Craig, der eine der wichtigsten Rollen – die des Ermittlers, der alles aufdeckt – innehat. Nicht nur ist (im englischen Original) sein faux accent schier unerträglich (dafür brauchte er einen Sprachtrainer?!), sondern es fehlt ihm einfach am Esprit und der Leichtfüßigkeit, die diese Rolle besonders gemacht hätte. Trotzdem ganz vergnüglich anzuschauen.

Moana (auf Deutsch: Vaiana)

Beim ersten Auftreten von Halbgott Maui, noch ehe ich die Stimme gehört hatte, sagte ich: „Das muss doch Dwayne Johnson sein“. Und wie entzückt war ich, als er etwas sagte, und es tatsächlich Johnson war, der die Figur sprach! Ein wunderschöner Film, mit einer Disney-Heldin, die mal nicht die spillerige weiße Prinzessin ist, sondern eine starke junge Frau, die gegen alle Widerstände ihren Weg geht und sich nicht beirren lässt. Schönes gute-Laune-Kino für wirklich die ganze Familie.

Onward

Und nochmal Disney. Zu bemeckern habe ich an dem Film vor allem, dass es mal wieder zwei (effektiv) weiße Teenager-Jungs sind, die die Helden der Story sind – daran ändert auch die Tatsache, das sie Elfen sind, nichts. Alles andere ist an diesem Film aber richtig gemacht. Die Gamer-Kultur wird von Tabletop bis Computerspiel kräftig zitiert, referenziert und auch schon mal durch den Kakao gezogen, während die beiden durchaus erschrockenen Recken auf ihrem Quest sind, den zu früh verstorbenen Vater für ein letztes Gespräch magisch auferstehen zu lassen. Die bunte Welt aus magischen Wesen, wie dem Zentauren-Polizisten, der mit der Mutter der Jungs ausgeht, oder einer eine Rockbar betreibenden magischen Kreatur („Name?“ – „Manticore.“  „First Name?“ – „The.“) macht einfach Spaß. Und am Ende von Onward steht ein ganz unzuckersüßer Abschluss, der Tränen fließen lässt, und perfekt gelungen ist.

Shoplifters

Eine langsam erzählte Geschichte über Familienbande und Gesellschaft aus dem japanischen Prekariat. Bei Prime gesehen, lohnt sich anzuschauen.

Shutter Island

Scorsese, DiCaprio, Ben Kingsley. Damit ist eigentlich alles gesagt. Die Story ist vorhersehbar düster und noir,  DiCaprio läuft zu Hochform auf. Intensiv, aber nicht unbedingt ein „Vergnügen“.

The Gentlemen

Matthew McConnaughey, Charlie Hunnam, und Hugh Grant sind die Stars in diesem abgedrehten Unterwelt-Film von Guy Ritchie. Man muss Guy Ritchie-Filme halt mögen, und es hilft wahrscheinlich auch, ein bisschen intoxicated zu sein, wenn man ihn schaut, aber dann ist das Ding recht spaßig.

White Lie

Katie hat Krebs. Zumindest denken das ihre Mitstudenten, und Jennifer, ihre Freundin. Katie rasiert ihren Schädel, hungert sich schlank, und schluckt öffentlichkeitswirksam Placebos – denn ihren Lebensunterhalt verdient sie mehr oder minder mit Crowdfunding, und die meisten Leute an ihrem kleinen College kennen sie – sie genießt Celebrity-Status. Doch dann stellt sich heraus, dass das Stipendium, auf das sie gesetzt hat, nur dann an sie vergeben werden kann, wenn sie ihre Patientenakte einreicht. Keine ganz einfache Geschichte, da Katie ja nicht wirklich krebskrank ist. Auf Umwegen findet sie einen Arzt in der kanadischen Gesundheitsbehörde, der möglicherweise für sie eine komplette Patientenakte fälschen könnte. Doch damit fangen ihre Probleme erst richtig an…

Die Hauptfigur ist nicht sonderlich sympathisch, und so fiel es mir auch schwer, mit den Wendungen mitzufiebern – eher schon wünscht man sich, dass ihr gigantischer Schwindel endlich, endlich auffliegt. Dennoch ein interessanter Film mit einer ungewöhnlichen Protagonistin, jenseits der gewohnten Tropes.

Veröffentlicht in Film + Fernsehen

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