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Durchgespielt – Detroit: Become Human

Ende 2019 haben der Liebste und ich uns eine PS4 gegönnt – eine Anschaffung, die sich nicht zuletzt wegen der Corona-Epidemie als eine der besseren Ideen dieses Jahres entpuppte.

Zu den Dingen, die wir im 1. Lockdown 2020 ausführlich gespielt haben, gehörte Detroit: Become Human. Wir hatten das Spiel aus der Bibliothek ausgeliehen, da zum Glück die Bücherhallen über ein umfangreiches Sortiment an Konsolenspielen für diverse Plattformen verfügen – eine gute Methode, diese erst einmal auf Gefallen zu testen und ausführlich anzuspielen, ehe man sie ggf. kauft – oder eben auch nicht.

Detroit: Become Human spielt in einer Welt, in der Androiden, die genau wie Menschen aussehen, den überwiegenden Anteil der einfachen Arbeit erledigen. Man kann das Spiel aus der Perspektive dreier verschiedener Charaktere spielen, und sollte sich auch alle drei einmal genau anschauen, da sie dieselbe Geschichte mit einem unterschiedlichen Kontext erzählen, diese Handlungsstränge aber an kritischen Punkten der Story wieder zusammenlaufen. Die Handlung insgesamt dreht sich um einen Aufstand der Androiden, die sich ihrer selbst gewahr werden, für ihre Rechte, und erinnert wohl nicht ganz zufällig an den Kampf der schwarzen Amerikaner um Freiheit und Selbstbestimmung.

Zur Verfügung stehen hierbei:

  • Connor, ein Polizei-Android, der den Auftrag hat, unerklärliche Amokläufe von Androiden zu untersuchen, und mit dem menschlichen Polizisten Hank zusammenarbeiten soll
  • Kara, die als Hausmädchen arbeitet
  • Marcus, der der persönliche Assistent und Pfleger eines reichen alten Mannes ist

Das erste, was mir auffiel, war das Gesicht von Jesse Williams, der in diesem Spiel Marcus verkörpert. Williams hat das Spiel auch mit produziert. Insgesamt ist eine der großen Stärken von Detroit die Charakter-Animation / Besetzung mit tollen Schauspielern, neben Williams u.a. Lance Henriksen, (ganz großartig:) Clancy Brown, Valorie Curry, Simbi Kali und natürlich Minka Kelly.

Im Verlauf der Geschichte kann die Spielerin immer wieder Entscheidungen treffen – manche sind sehr deutlich sichtbar, etwa bei Dialogoptionen, andere weniger deutlich, etwa, welchen von vielen Gegenständen man ggf. zuerst untersucht (und am Ende dafür keine Zeit für einen anderen bleibt). Fast alle diese Entscheidungen haben Auswirkungen auf den Verlauf und das Ende der Geschichte (also, ob man das Ziel erreicht, das man erreichen möchte, oder letztlich scheitert). In einem Ereignisbaum kann man sich zurück hangeln, um eine bestimmte Situation vielleicht erneut und anders zu spielen, und herauszufinden, was passiert wäre, wenn…

Leider ist das Spiel besonders auf dem ersten Drittel extrem zäh und starr vorgeskriptet – im Grunde kann man, bis auf wenige, geringfügig abweichende Details, keinen Einfluß auf diesen Teil der Geschichte nehmen, sondern muss die Vorgeschichte zwingend so durchspielen wie gedacht. Eher schon dient dieser Part als längliches Intro in die Story, und als Tutorial, wie das Game zu bedienen ist.

Die Bedienung ist dann auch mein größter Meckerpunkt an Detroit: Become Human – die Tastenkombinationen für bestimmte Aktionen sind nicht konsistent, sondern wechseln mit unschöner Regelmäßigkeit; ohne die visuellen Hints, wie man etwas Bestimmtes tut, käme man fast gar nicht voran. Vor allem innerhalb ganzer Szenen diese Bedienung zu wechseln empfinde ich als lausiges UX-Design.

Dennoch habe ich am Ende die Storyline mit allen drei Charakteren durchgespielt, bei zweien davon auch verschiedene Handlungsstränge / -optionen ausprobiert. Einmal, weil ich wissen wollte, was eine bestimmte Entscheidung verändern würde, einmal, weil ich beim schnellen Klicken auf angebotene Optionen versehentlich etwas gewählt hatte, das zu einer Katastrophe führen musste (und auch führte). Es ist spannend, zu erleben, wie bestimmte Entscheidungen die Charaktere und ihre Beziehungen untereinander verändern.

Insgesamt würde ich Detroit: Become Human eher als eine Art interaktiven Roman denn als ein Spiel beschreiben. Die Spielwelt, Detroit im Jahr 2038, ist sehr gut konzipiert und glaubwürdig, und wenn man sich durch den zähfließenden Anfang gehangelt hat, macht das Game auch Spaß. Ich hätte mir aber ein paar mehr Open-World-Optionen gewünscht. Dafür sind die Charaktere wirklich sehr gelungen, und man leidet wie bei einem guten Film mit ihnen mit.

Summa summarum kann man runde 15 bis 25 Stunden mit dem Game zubringen, je nachdem, wie viele der alternativen Handlungszweige man erkunden möchte, dann ist es aber auch durch. Gemessen an anderen Games, die ich auf der PS4 spiele, ist das etwas wenig. Dafür bekommt man gute Unterhaltung mit sehr viel Anspruch und einem tollen Cast.

Veröffentlicht in Querbeet

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