Filmnachlese 2018-12

Altered Carbon

Kaum zu glauben, dass plötzlich wieder gute SciFi-Serien über meinen Screen flackern. Altered Carbon erzählt die Geschichte von Takeshi Kovacs, Held einer Buchreihe von Richard K. Morgan, die ich sehr schätze – oder doch eher: Antiheld. Kovacs bewegt sich in einer Welt, in der alles, was eine Person ausmacht – Wissen, Erinnerungen, Reflexe, Persönlichkeit – auf einem Speicherkristall (dem „Stack“) gesichert und in andere Körper („Sleeves“) transferiert werden kann. Möglich wurde dies durch die Entdeckung der Technologie einer ausgestorbenen Spezies auf dem Mars, die allerdings hier weniger Raum bekommt als in den Romanen.

Kovacs (Joel Kinnaman) erwacht in einem fremden Körper in einem düsteren, überbevölkerten, abgewrackten multikulturellen San Francisco (hier: Bay City). Er war mehr als 200 Jahre im „Gefängnis“, also irgendwo zwischengespeichert, und ein Ultrareicher hat ihn erwecken lassen, damit er den Mordfall an ebendiesem untersucht. Die Reichen leben in schwebenden Villen über den Wolken, wo sie den darbenden Plebs nicht sehen müssen, und manipulieren die Welt nach ihrem Geschmack.

Aus Sicht der Jetztzeit ist Kovacs ein Terrorist, denn er war vor 200+ Jahren an einem Aufstand gegen die herrschende Klasse beteiligt. Doch die Dinge sind nicht so einfach und geradlinig wie sie erscheinen, und schon bald erschließen sich dem Zuschauer weitere Ebenen einer komplexen Geschichte.

Visuell ist Altered Carbon sehr eindrucksvoll gestaltet; ich mag die Charaktere ebenso wie das Universum, in welchem sie sich bewegen. Da wäre etwa das AI-Hotel „The Raven“, betrieben von der künstlichen Intelligenz Poe, die zu einem der tollsten Charaktere heranwächst, und gleichzeitig eine der stimmungsvollsten Kulissen der Serie. Die an Blade Runner erinnernden Straßenszenen von Bay City bei Nacht kontrastieren sehr eindrucksvoll mit der Hochglanzwelt der Superreichen (hier „Meths“ – nach Methusalem- genannt, weil sie ihr Leben dank Klonen beliebig verlängern können).

Der Cast (u.a. Joel Kinnaman, Martha Higareda, Dichen Lachman, Chris Conner, Ato Essandoh, Renée Elise Goldsberry, Cliff Chamberlain) liefert eine bestechende schauspielerische Leistung ab (ganz groß: Chamberlain als weibliche Person, die in den Körper eines Mannes cross-sleeved wird). Den Drehbuchautoren ist es gelungen, eine hoch atmosphärische, vielschichtige Erzählung in eine filmische Version zu übertragen, die den einzelnen Handlungssträngen Zeit lässt, sich zu entfalten, und schließlich wieder zusammenzuwachsen. Großartig gemacht und erfreulicherweise eng an das Original angelehnt – ich freue mich auf die zweite Season.

Fahrenheit 11/9

Der Trailer für diesen Film ist sehr auf Action und Dynamik geschnitten, aber bis auf wenige Momente, in denen Michael Moore sichtlich persönlich berührt damit abrechnet, wie Präsident Obama die Stadt Flint, Michigan, und ihre Einwohner, zu denen Moore gehört, verraten und verkauft hat, ist Fahrenheit 11/9 eine für Moore’s Verhältnisse langsame und beinahe sanft und zurückhaltend erzählte Politdoku aus Post-Trump-America. Er analysiert relativ schonungslos den Aufstieg Trumps und der politischen Klasse, und stellt dem Menschen entgegen, die sich vom „System“ der weißen (und meist männlichen) Berufspolitiker allein gelassen und betrogen finden, und selbst etwas auf die Beine stellen, um den Status Quo zu verbessern.

Der Film warnt sehr deutlich vor einem faschistoiden Totalitarismus im Stil Hitlers und zeigt die Ähnlichkeiten zwischen der Trump Presidency und der Nazi-Machtergreifung auf. Wenn es hier überhaupt etwas zu bemängeln gibt, dann, dass dieser Film wohl unter „preaching to the choir“ fallen dürfte.  Die Message ist am Ende: Geht raus, tut etwas, bewegt etwas bei den Dingen, die euch wichtig sind, macht Politik selbst – solange ihr es noch könnt, denn die Möglichkeit, dass euch diese Chance genommen wird, wird von Tag zu Tag realer.

Kentucky Fried Movie

Lief irgendwann bei arte, glaube ich. Da wir beide den Film aus dem Jahre 1977 noch nie gesehen hatten, haben wir ihn aus der Mediathek angeschaut. Oder vielmehr, wir haben es versucht. Nach ungefähr 15 Minuten haben wir abgebrochen, weil wir ihn wirklich furchtbar fanden. Zucker / Abrahams / Zucker und auch ein Regisseur John Landis machen noch keine gelungene Unterhaltung.

Midnight, Texas, Staffel 2

Die erste Staffel von Midnight, Texas (nach den Romanen von Charlaine Harris) gefiel mir trotz Paranormal-Gedöns ganz gut – wohl auch, weil sie (ähnlich wie Z Nation) mit den tropes des Genres spielte und sich gleichzeitig nicht furchtbar ernst nahm. Die zweite Season dagegen… gefühlt spielt der Cast gegen das Script an, das die bislang so fabelhaften Charaktere sich gegen ihre innere Logik und auch ihre Werte verhalten lässt, und insgesamt ist alles sehr düster, negativ, und lässt die alte Leichtfüßigkeit vermissen. Ich bin mit der Season insgesamt eher unglücklich, weil Figuren für meine Begriffe irreparabel beschädigt wurden, und das zweistufige Season Finale war dramaturgisch komplett überzeichnet und kaputt. In eine mögliche Season drei schaue ich nur noch rein, weil ich die erste Staffel toll fand, und hoffe, dass die Serie dann etwas zu ihrem vorherigen Stil zurückdreht.

Quentin Tarantino, 20 Years of Filmmaking (2012)

Im Zuge meiner etwas ernsthafteren Beschäftigung mit Film und Kino lag es nah, sich diesen Film anzuschauen. Man merkt der Doku ihr Alter an, besonders bei den Einspielern über Harvey Weinstein. Eine ganze Menge scheint Zweitverwertung des Materials von Making-Ofs für die DVDs zu Reservoir Dogs, Pulp Fiction und Jackie Brown zu sein.  Ein Großteil der Doku handelt von Reservoir Dogs, der Entstehung und Finanzierung und Harvey Keitel, der aber nirgend selbst auftaucht; ein weitere Abschnitt widmet sich Sally Menke, die als Editor lange Jahre Tarantinos partner-in-crime war. Insgesamt eher mäßig spannend, aber doch mit einigen interessanten Details versehen.

RBG


Dokupic über Ruth Bader Ginsburg. Eine fantastische Doku über eine fantastische Frau. Unbedingt ansehen.

Suburbicon

Matt Damon und Julianne Moore sind die Stars in diesem Film, der ins weiße Vorstadtamerika der 60er Jahre führt, und als „dark comedy“ beschrieben wird. Auch hier verlinke ich auf die Wikipedia für weitere Infos, da wir den Film einfach sterbenslangweilig und die Figuren uninteressant fanden, und deswegen über eine gute halbe Stunde nicht hinaus gekommen sind. Die Coen-Brothers und ein Regisseur George Clooney machen noch keine gute Unterhaltung. Wer sich selbst ein Bild machen will: derzeit (Dez 2018) ist der Film in Amazon Prime Videos kostenlos enthalten

Wallace & Gromit Musical Marvels (BBC Proms 2012)

Beim Aufräumen der Videofiles auf dem Datenserver stellte ich fest, dass dort noch eine ungesehene Proms-Aufzeichnung aus dem Jahr 2012 lag. Ein nettes kleines Klassikkonzert mit einigen Gags und Einspielern von Wallace & Gromit extra für das Konzert, einer Menge Spaß, und schöner Musik von Klassik bis Swing. Vergnügte Unterhaltung für die ganze Familie.

Z Nation, Staffel 5

SyFy hat leider Z Nation nicht verlängert, womit das wohl auch die die letzte Staffel der postapokalyptischen Fun-Zombie-Metzel-Serie bleiben wird, so nicht noch Netflix neben einem Prequel auch eine Verlängerung einkauft.  Die Charaktere sind zu Beginn von Staffel 5 noch recht in alle Winde zerstreut, finden aber im Lauf der Season in Altura zusammen, wo Wahlen für einen neuen „Staat“ namens NuMerica abgehalten werden. Auch neu sind die Talker, Zombies, die sprechen können und bis zu einem gewissen Grad noch als Teil der Gesellschaft fungieren, so sie denn Z Cookies bekommen. Die Z Cookies sind ebenso rätselhaft wie das Entstehen der Talker-Mutation. Es gibt ein Wiedersehen mit lieb gewonnenen Charakteren wie Addison Carver und Citizen Z. Insgesamt ist die Staffel etwas düster ausgefallen, reichlich politischen Kommentar und einige Schocker-Momente jenseits des üblichen Zombie-Gemetzels eingeschlossen. Murphy ist zur Abwechslung weder blau noch weiß, sondern dieses Mal rot, und die Kostümbildner der Show scheinen einen BDSM-Store geplündert zu haben, was aber dem Graphic-Novel-Look der Serie durchaus gut tut. Das Ende ist ebenso versöhnlich wie überraschend, und offen genug, um ggf. doch noch eine Verlängerung zu ermöglichen.

Netflix hat angekündigt, dass das Prequel eher düster und nicht so humorbetont wie Z Nation werden soll, was dem Thema (Black Summer) wohl angemessen ist, aber auch ein wenig schade, denn es waren stets die selbstironischen Fun-Episoden, die Z Nation schon seit Staffel 1 für mich über einen bloßen Walking Dead-Clone hinaus gehoben und interessant gemacht haben. Mir werden insbesondere die starken Frauenfiguren dieser Serie fehlen, aber auch der stets schräge Doc, und natürlich auch der großkotzige, grandios überzeichnete, ätzende Murphy. Es war eine großartige Zeit, und die 5. Season brachte viel vom alten Flair zurück, das in der 4. etwas abhanden gekommen war.

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