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Filmnachlese 2020-04

Altered Carbon – Season 2

Auf die zweite Season von Altered Carbon war ich sehr gespannt. Leider kann sie meines Erachtens jedoch nicht it der ersten Season mithalten.

Ganz offensichlich ist, dass man den Machern das Budget stark gekürzt hat. Nicht nur, dass augenscheinlich – trotz eines Ortswechsels über die halbe Galaxie – Kulissen von Bay City für Harlan’s World wiederverwendet wurden (warum auch nicht), es ist auch sonst ganz offensichtlich, dass die Set-Designs starken Budgetbeschränkungen unterlagen. Der größte Punkt ist für mich allerdings Anthony Mackie. Dass es nicht einfach werden würde, nach dem grandiosen Auftritt von Joel Kinnaman als Kovacs zu glänzen, war klar. Und dass der in Staffel zwei gezeigte Kovacs 30 Jahre Entwicklung hinter sich hat, und sich deswegen auch etwas anders verhält als die Figur der ersten Folgen, ist unbenommen. Dennoch, für mich fühlte sich Mackies Darstellung nicht wie eine Weiterentwicklung von Takeshi Kovacs an, sondern wie ein beliebiger Charakter, der – bis auf seine Kampfausbildung und seine Besessenheit, Falconer zu finden – nichts mit dem kalkulierenden, smarten, manipulativen Envoy der ersten Season (oder gar der Bücher) zu tun hatte. Auch die Komplexität der Geschichte (einschließlich visual clues) kann mit der ersten Staffel nicht mithalten.

Positiv fand ich, dass in dieser Staffel Frauen ein stärkerer Raum zugewiesen wurde, wenn auch erneut (von einer sehr klischeehaften Danica Harlan abgesehen) die Strippenzieher und Mächtigen wie immer alte weiße Männer blieben. Die Handlung, die Teile von Richard Morgans Büchern integriert, Teile aber auch komplett neu schreibt, ist zum Teil gelungen. Poe und sein AI-Sidekick machen Spaß (wenn auch mal wieder, wie schon zu Datas Zeiten, unklar bleibt, warum AIs Dinge, die sie in Sekundenbruchteilen elektronisch erledigen könnten, mit auf Displays rumtippenden Fingern machen, wenn die Zeit drängt). Die Entdeckung der Season ist sicherlich Torben Liebrecht als Colonel Carrera – intensiv, glaubwürdig, fabelhaft gespielt.

American Factory

Mit einem Academy Award ausgezeichnete Doku. Die komplette Doku kommt ohne Voiceover aus und lässt Originaltöne für sich stehen, wobei es mich schon interessieren würde, unter welchen Vorgaben einige der Aufzeichnungen entstanden sind. Erzählt wird mehr oder weniger die Geschichte von Fuyao USA, dem Werk eines großen chinesischen Spezialglasherstellers in Dayton, Ohio. Nachdem die dortige Autoproduktion zugemacht hatte, kam ein chinesischer Konzern als Retter in den Rust Belt. Zu Beginn des Filmes scheint alles eine schöne neue Arbeitswelt zu sein. Doch schon bald kollidieren die Vorstellungen der US-Amerikaner von Arbeitssicherheit und Qualitätssicherung mit dem knallharten Neokapitalismus der chinesischen Eigner, die notfalls über Leichen gehen. Es zeigt sich, dass die traditionellen Probleme der USA mit Gewerkschaften und die fehlenden Gesetze zum Schutz von Arbeiterschaft und Angestellten den Chinesen in die Hände spielen, und eine Dystopie entsteht vor den Augen des Zuschauers, die mehr als nur einen schalen Beigeschmack hat. Fabelhaft in Szene gesetzt, erschreckend.

Cadillac Records

Der von Beyoncé produzierte Film erzählt die (wahre) Geschichte des kleinen Plattenlabels Chess Records und seines Gründers Leonard Chess (Adrien Brody), der allerdings nur eine eher Nebenrolle in diesem Film einnimmt.

Die prägenden Figuren sind dagegen Muddy Waters (fabelhaft von Jeffrey Wright verkörpert), Little Walter (Columbus Short), Etta James (Beyoncé) und Chuck Berry (Mos Def). Ein Stück Musikgeschichte der African Americans, mit einem Fokus auf den Chicago Blues. Ganz interessant und durch seine spannende Besetzung und viel Musik unterhaltsam – der Handlung fehlt jedoch ein durchgehender roter Faden jenseits von Leonard Chess. Informativ, klug gemacht, toll besetzt, am Ende aber nicht zwingend genug in der Erzählstruktur.

Contagion

Angesichts der Coronakrise lag es nahe, sich diesen Film aus dem Jahr 2011 einmal anzusehen, dreht er sich doch im Prinzip genau um die Dinge, mit denen sich die Realität da draußen gerade herumschlägt. Und für 30 oder 40 Minuten ist er auch wirklich gut, und man möchte nur auf den Bildschirm deuten und: „Da, es war alles vorhersehbar“ sagen. Dann verflacht die Handlung leider zusehends, und auch die Logik bleibt auf der Strecke. Matt Damon liefert eine weitere absolut unspektakuläre mittelmäßige schauspielerische Leistung ab, Laurence Fishburne und Kate Winslett halten einigermaßen das Niveau oben. Kann man durchaus gucken, ist aber im Rückblick dann doch ein verschenktes Thema. Bemerkenswert ist aus dem Blickwinkel 2020 allerdings der Kontrast der funktionierenden Gesundheitsbehörden der USA zu den real existierenden heute.

James May: Our Man in Japan

In 4 Episoden hat James May im vergangenen Jahr Japan bereist, und es wird beim Schauen der Reihe (bei Amazon Prime) sehr deutlich, dass sie eigentlich als Werbung für das Japan der Olympischen Spiele 2020 konzipiert war. In jeder der Folgen besucht er eine der Hauptinseln Japans, wird von einer lokalen Guide oder Übersetzerin begleitet, darf das traditionelle, das quirky, das exotische, das kinky Japan und seine „Big Points“ bereisen und ein bisschen über Essen, Otaku-Kultur und den Reisebroschüren-Alltag räsonieren. Lässt sich ganz gut nebenher schauen, ist aber für mich vor allem wegen Landschaft und Essen spannend gewesen. Insgesamt hat das Ganze für mich zu viel von einem Hochglanzprospekt bzw. Reisemessenwerbefilmchen, um wirklich interessant zu sein. Hübsch, aber flach.

Jumanji – Welcome to the Jungle (2017)

Nach dem Original mit Robin Williams hatte ich keine großen Erwartungen an das fast 25 Jahre später entstandene Sequel – schon gar nicht angesichts von Dwayne Johnson und Jack Black in den Hauptrollen. Zu meiner freudigen Überraschung ist aber ein wirklich guter, unterhaltsamer Abenteuerfilm mit viel Nerd-Witz dabei heraus gekommen (die Welt der Adventure-Games wird ordentlich durch den Kakao gezogen). Macht gute Laune, Daumen nach oben!

Jumanji – The Next Level (2019)

Und nochmal Jumanji, und nochmal das Adventure in der Welt aus „Welcome to the Jungle“ – und doch ist alles ganz anders. Obwohl der Film ganz deutlich ein „Hat Geld verdient also lasst uns schnell noch eine Folge dranhängen“-Sequel ist, ist er ebenso gut gelaunt und spaßig wie der letzte, nicht zuletzt dank eines Rollentauschs und zwei alten verqueren Käuzen, die das Abenteuer auf ihre Art nochmal gehörig aufmischen. Familien-Popcorn-Kino. Ein weiteres Sequel wird in einer After-Credit-Scene angedeutet.

Seamen

Die drei Grand-Tour/Top-Gear-Veteranen Jeremy Clarkson, Richard Hammond und James May haben sich vorgenommen, nur noch „Specials“ zu machen. und Seamen ist das erste davon. Mit drei Booten begeben sie sich auf den Mekong, um das Ziel – einen Hafen in der Mekong-Mündung – zu erreichen. Man merkt es der Produktion an dass die drei hier genau das machen, was sie machen wollen, und auf dämlich aufgesetztes Overscripting und pubertäre Jokes verzichtet werden kann. Statt dessen ist eine richtig ordentliche Reisedoku daraus geworden. Natürlich sind die Erlebnisse trotzdem aberwitzig, aber es kommt auch eine ganze Menge Nachdenklichkeit und kritischer Blick auf die Welt wie die Probleme der Region, die sie bereisen, dabei heraus. Angenehm zu schauen, ein guter Reboot des Formats.

Snowpiercer

Der erste große Feature Film von Oscar-Preisträger Boon Joon-ho. Snowpiercer ist die Verfilmung eines recht dystopischen Comics, der komplett in einem sehr langen Zug spielt, der nach dem von Menschen ausgelösten Einfrieren der Erdoberfläche seit 17 Jahren den Planeten umkreist, und in dessen Inneren eine Klassengesellschaft entstanden ist – im hinteren Teil die Armen, im vorderen Teil die Reichen. Die genretypisch vorhersehbare Handlung liest man am besten in der Wikipedia nach. Grandios sind an diesem Film vor allem die Kulissen, und Tilda Swinton in einer irrwitzig häßlichen, unangenehmen Rolle; daneben tauchen u.a. Chris Evans, Octavia Spencer, Ed Harris und Ko Ah-seong auf. Viel Gemetzel und Gewalt, insgesamt kein großer Wurf. Man muss schon ein arger Fan des Endzeitgenres oder des zugrunde liegenden Comics sein, um den Film toll zu finden – es lohnt sich allerdings, ihn wegen Tilda Swinton anzuschauen.

Terminator: Dark Fate

Das Wiedersehen mit Linda Hamilton als badass gealterte Sarah Connor war der einzige Grund sich diesen Film anzuschauen, und das ist leider auch am Ende des Films der einzige Grund geblieben. Vielleicht hätte man die Serie einfach ruhen lassen sollen, statt sie auf Arnie-komm-raus nochmal wiederzubeleben.

Westworld (S2)

Ehe wir uns an die dritte Staffel machen können, wollte (endlich) erst mal Season 2 angeschaut werden. Ich weiß noch nicht, ob es eine gute Investition in meine Lebenszeit war, aber schon vor dieser Staffel galt, dass ich eine ausgesprochene Unlust verspüre, mir Rückblenden und Zeitsprünge anzusehen, da sie in den meisten Fällen Effekthascherei sind und/oder der (Drehbuch-) Autor seinen Job des Erzählens nicht ordentlich gemacht hat. Ich verstehe, dass man in einer Serie bestimmte Dinge für den Überraschungseffekt so spät wie möglich erzählen/erläutern möchte, aber man kann es übertreiben, und hier wurde es definitiv übertrieben. Das krude Wirrwarr an Zeitsprüngen ist größtenteils unnötig gewesen, und eigentlich wuchs mit jeder Episode nur mein Ärger darüber. Mein persönliches Highlight war eine Episode, die bei einem „Indianerstamm“ in Westworld spielte, der Ghost Warrior hatte, und ausgerechnet Zahn McClernon durfte die tragende Rolle verkörpern; noch dazu war der Großteil auf Lakota. Trotz einiger Aha-Effekte ist auch zwei Wochen später mein vorherrschendes Gefühl zu Westworld Staffel 2 ein tief empfundenes WTF.

Veröffentlicht in Film + Fernsehen

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