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Filmnachlese 2019-12

Die Geschichte der Fantasy

Zweiteilige Doku bei arte.
Teil 1: Mutige Helden — Es geht um klassische Fantasy-Helden und Archetypen, und die „Heldenreise“. Begleitet wird die Doku von kurzen Szenen, in denen Wolfgang Hohlbein zusammen mit der Illustratorin Lisa Henke über das Genre plaudert. Ich werde mit dem Format irgendwie nicht warm; das Thema ist so vielfältig und spannend, ich hätte mir ernsthafte LiteraturwissenschaftlerInnen und ein paar mehr Genre-AutorInnen gewünscht; das Ganze bleibt ausrisshaft und wenig inspirierend.
Teil 2: Magische Welten — Auch nicht besser als Teil 1. Viele Platitüden, ein paar Filmzitate, eine große Menge Langeweile. Hübsche Illus von Frau Henke, und gründlich durchgekraulte Haustiere von Wolfgang Hohlbein machen noch keine sehenswerte Doku Verzichtbar.

Instant Family

War so etwa wie der US-Weihnachts-Familienfilm 2018. Mark Wahlberg und Rose Byrne verkörpern ein Thirtysomething-Pärchen, das von jetzt auf gleich drei Kinder adoptieren will. Relativ seicht, relativ vorhersehbar,  mit erwartbarem „Happy“ End und Anklängen an die US-Renovierungsshow FixerUpper (tatsächlich benutzt Wahlberg, der einen recht guten Chip Gaines abgibt, sogar das Wort FixerUpper). In einer Nebenrolle findet sich Tig Notaro. Das vollständige Ignorieren aller realen Probleme von Foster-Care-System und Adoptionsvorgängen hinterlässt bei mir allerdings einen faden Beigeschmack.

Joker

Düster. Intensiv. Ambivalent. 5 Minuten Joaquin Phoenix als Arthur Fleck finde ich um ein vielfaches gruseliger als 2 Stunden Jack Nicholson in Shining. Ich habe inhaltlich viele Probleme mit dem Film, von der Glorifizierung und Rechtfertigung von exorbitanter Gewalt, über die quasi-lustvolle Darstellung derselben, bis hin zur grundsätzlichen Problematik der Verquickung von „Geisteskrankheit/Behinderung“ mit narzisstischer Soziopathie. Dramaturgisch, schauspielerisch und von der atmosphärischen Ausgestaltung und den Sets her jedoch ein wirklich fantastischer Film. Der Soundtrack ist ebenfalls ganz fabelhaft auf den Punkt gesetzt. Robert de Niro als typisch amerikanischer LateNight-Host ist ein kleines Highlight am Rande, aber im Grunde spielt der abgemagerte Phoenix alles an die Wand, was nicht bei zwei auf den Bäumen ist. Dark, Darker, Joker.

Schade ist, dass die eigentlich berechtigte Kritik am kapitalistischen System (und der typisch US-amerikanischen Glorifizierung der Superreichen), hier verkörpert u.a. durch Thomas Wayne, und die „Clown-Bewegung“, die eine Art Gotham-Attac darstellt, so eine unter den Handlungsteppich gekehrte Randerscheinung bleiben.

Mars Attacks!

Auch 22 Jahre nach dem Erscheinen noch ein ganz wunderbares, ironisches, satirisches, comicbuntes Scifi-Vergnügen von Tim Burton, mit den besten Marsianern aller Zeiten. Und natürlich Pierce Brosnan, Tom Jones, Michael J. Fox, Pam Grier, Jack Nicholson, Glenn Close, Natalie Portman. Mit Vergnügen entdecke ich immer noch mir neue und längst vergessene alte Details – immer wieder schön!

Mission Impossible: Fallout

Routiniert gemacht, wie alle Filme dieser Reihe, mit gediegenem Agentenschnickschnack, einem sichtlich schlanker gewordenen Simon Pegg, natürlich Ving Rhames und Tom Cruise. Kann man gut gucken, wenn man solche Actionspektakel mag, und sich an der Vorhersehbarkeit der Storyline nicht stört.

Mr. Mercedes – Staffel 3

Nachdem Season 2 eher ein Fehlgriff war, bin ich mit wenig Erwartungen an diese Staffel herangegangen, wurde aber zumindest teilweise positiv überrascht. Die Charaktere sind alle nach wie vor neben der Spur, aber mit Kate Mulgrew kommt eine Wild Card ins Spiel, die den Laden gehörig aufmischt. Insgesamt ist mir das Ganze aber zu sehr auf Schockwirkung getrimmt. Mehr der Vollständigkeit halber geschaut, ganz okay.

Once Upon A Time In Hollywood

Ich weiß gar nicht so recht, was ich zu diesem Film sagen soll, außer vielleicht: WTF. Ich bin nach ersten Reviews nicht mit hohen Erwartungen an das neueste Werk von Tarantino heran gegangen, und das war auch gut so. Zugegeben: DiCaprio läuft zu absoluter Hochform auf, und macht im Verein mit Brad Pitt und der visuellen Hommage an die End-Sechziger diesen Film sehenswert. Der Rest allerdings ist ein krudes Gemetzel von filmischen Zitaten und ausrisshaften Schnipseln der Filmgeschichte, aufgehübscht mit Margot Robbie als Sharon Tate und ein bisschen Bohei um Hippies und den Manson-Kult (und angereichert mit deutlich zu viel Fuß-Fetischismus). Historische Randnotiz: man kann Luke Perry in seiner letzten Rolle sehen. Die schwache und vorhersehbare Story endet in einem noch viel schwächeren Finale. Da hilft auch kein Popcorn. Höchstens Schnaps.

Queer Eye: We’re In Japan

Das haben wir tatsächlich im November gesehen, ich habe aber vergessen, es da zu notieren. Die Guys hinter Queer Eye haben sich ein vierteiliges Japan-Special gegeben. Wunderbar, herzerwärmend, intensiv, mit Witz und Empathie gewürzt, zeigt es gleichzeitig sehr viele Probleme der heutigen japanischen Gesellschaft auf. Unbedingt gucken – und Taschentücher bereit legen.

The Irishman

Michael Scorcese und Robert de Niro sind die Köpfe hinter dieser 3 1/2 Stunden langen Filmproduktion für Netflix. Verfilmt hat Scorsese die Lebensgeschichte von Frank „the Irishman“ Sheeran, verkörpert von de Niro, und bleibt damit recht eng an den zeitgeschichtlichen Quellen und belegbaren Fakten. So ist The Irishman teils Mafia-Epos, teils historischer Film. Die Besetzung (de Niro, Pesci, Keitel, Pacino uvm.) ist ebenso episch wie die Filmlänge. Wenn Scorsese etwas kann, dann Mafia-Dramen, und so ist der Film auch trotz der beträchtlichen Länge und teilweise langsamen Erzählweise nie langweilig. Hingucker ist das von ILM umgesetzte De-Aging insbesondere von de Niro, der in verschiedenen Altern im Film auftaucht, und dessen Charakter sowohl Erzähler als auch Hauptfigur ist.

Wir haben den Film auf dem Sofa kränkelnd an einem Abend gesehen. Insgesamt hätte ich es besser gefunden, wenn die Macher daraus eine Mini-Series – vielleicht vier Episoden – gemacht hätten. von denen jede einzelne besser einen Abschnitt inhaltlich/thematisch hätte umreißen können. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Keiner der ganz großen Filme, aber auf jeden Fall sehr schön und über dem Durchschnitt angesiedelt.

The Iron Giant

Eine geradezu klassische Kinder-/Jugendbuchgeschichte: ein kleiner Junge, der häufig in seiner eigenen Fantasiewelt lebt, entdeckt einen gigantischen Roboter, der aus dem All kam. Natürlich glaubt seine Mutter ihm kein Wort, und so freundet er sich eben auf eigene Faust mit dem Roboter an. Der hat bei der Landung auf der Erde Schaden genommen, und sein Selbstreparaturprogramm bringt ihn dazu, alles aus Metall zu „fressen“ – Autos, Bahnschienen, Stromleitungen…

Ein herbeigerufener FBI-Agent, der den seltsamen Schäden nachforschen soll, übernimmt die Rolle des „Bösen“, ein nice guy, der einen Schrottplatz betreibt, wird zu Freund und Partner-in-Crime des kleinen Jungen wie des Roboters, und alles steuert vorhersehbar auf eine Konfrontation des militärisch-industriellen Komplexes mit dem als Bedrohung wahrgenommenene Alien (dem Roboter) zu.

Der komplett animierte Film aus dem Jahr 1999 floppte an den Kinokassen, und ich kann auch gut sehen, woran das liegt. Die Handlung ist nicht sonderlich spannend und folgt geradezu sklavisch klassischen Mustern. Dass nur eine einzige und nicht besonders moderne weibliche Hauptfigur auftaucht, die Mutter des Jungen, hilft dem Ganzen dann auch nicht weiter. Dem Film mangelt es an Witz und Esprit, und etwas, das es für Zuschauende über die Identifikation mit dem kleinen Jungen hinaus zu einem sehenswerten Film machen könnte. Er ist nicht schlecht, aber eben auch nichts besonderes, und ein bisschen langweilig.

(The Secret Life of) Pets 2null

„Unser“ Weihnachtsfilm 2019. Wunderbar erzählt, animiert, vertont, mit den Stimmen von Patton Oswalt, Kevin Hart (klasse als durchgeknalltes Kaninchen), Tiffany Haddish, Harrison Ford und nicht zuletzt Lake Bell als Katze Chloe. Herzerwärmende Familiengeschichte meets kindgerechtes Tohuwabohu und Abenteuer. Macht gute Laune, es gibt viel zu lachen, und es ist faszinierend, wie genau doch die Autoren auf die kleinen Macken und Eigenheiten von Hund und Katz‘ geschaut haben. Abzüge in der B-Note gibt es für spillerdünne Menschenbeine und einen etwas arg karikierten russischen Bösewicht, aber unter dem Strich ein tolles Familienvergnügen für so gut wie jedes Alter.

Veröffentlicht in Film + Fernsehen

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