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Filmnachlese 2019-11

American Dream Stories

„Diese filmische Reise führt die Dokumentar-FilmemacherInnen mehr als 45.000 km mit der Eisenbahn quer durch die Vereinigten Staaten von Amerika.“ Doch das Bahnreisen und auch die Blicke aus dem Fenster sind hier nur das begleitende Drumherum. Die Mitreisenden im Zug werden dazu befragt, was „ihr“ American Dream ist. Die Antworten sind so unterschiedlich wie die, die zu Wort kommen – vom mexikanischstämmigen Ölarbeiter bis zum gut situierten Rentnerpaar ist ein großer Querschnitt der US-amerikanischen Bevölkerung vertreten, mit ihren ganz eigenen Träumen, Problemen und Lebensentwürfen. Langsam und stimmungsvoll erzählt und erfreulicherweise komplett im O-Ton belassen. Gefiel.

Barstow, California

Und gleich noch eine unaufgeregt und langsam erzählte Doku aus Amerika, die komplett im (sauber untertitelten) O-Ton daher kommt. Der Film orientiert sich an der Biografie von Stanley „Spoon“ Jackson, der den Off-Kommentar selbst (in New Folsom Prison) eingesprochen hat. Die Lebensgeschichte des schwarzen Jungen aus einfachen Verhältnissen wird anhand der Orte erzählt, die er in seinem kurzen Leben außerhalb von Gefängnissen besucht und erfahren hat, begleitet von Interviews mit Zeitzeugen und vor allem seinen Brüdern. Zeichnet ein scharfkantiges Bild von Armut und Rassismus in den Vereinigten Staaten. Wie auch American Dream Stories eine sehr gelungene Doku aus dem alltäglichen, „untouristischen“ Amerika.

Beasts of No Nation

Der Film nach einem Buch von Uzodinwa Iweala erzählt die Geschichte eines Jungen in einem bewusst nicht näher bezeichneten afrikanischen Land, in dem Bürgerkrieg herrscht. Seine Familie wird bei Gefechten zwischen Rebellen und Regierungstruppen umgebracht, und er entkommt in den Dschungel, wo er von einer paramilitärischen Gruppe aufgenommen und zum Kindsoldaten herangezogen wird. Intensiv, geht unter die Haut. Idris Elba als charismatisch-irrer „Commandante“ rundet das Ganze ab. Großartig, aber nichts für düstere Tage.

Blackrock – Die unheimliche Macht eines Finanzkonzerns

Wurde mir als „gute“ Doku zu Blackrock empfohlen. Kurzfassung: ist es nicht. Uninspirierte Interviewclips mit „Experten“ und dramatische Feststellungen vom Typ „Blackrock investiert da wo die Rendite stimmt“ (nein wirklich?) wechseln sich ab mit Konzern-Namedropping und viel Geschwurbel.

Claude Dornier – Pionier der Luftfahrt

Fabelhaft gemachte Doku über Claude Dornier und deutsche Luftfahrtgeschichte, u.a. mit seinen Söhnen. Zeigt ebenso eine intensive, getriebene Persönlichkeit, wie auch ein großes Stück deutscher Nachkriegs-/Technikgeschichte. Für AvGeeks ein Muss.

Die sieben Leben des Elvis Presley

Wieder einmal wird die Geschichte von Elvis Aaron Presley erzählt, mit genauen Blicken auf die Musikstile, die ihn und seine Musik geprägt haben. Ganz interessant gemacht.

Medium Cool

Teildokumentarischer Film aus dem Jahr 1969, der sich mit den Massenprotesten am Rand des Demokratischen Kongresses 1968 befasst. Kam hier durch Robert Forsters Tod in den Focus. Zu Beginn etwas langatmig. Aus dem Blickwinkel 2019 fällt vor allem die auch heute visuell durchaus aktuelle Cinematographie auf (damals war Ron Vargas noch ein camera assistant). Gegen Ende nimmt die Storyline etwas Fahrt auf und wird – auch dank Einsprengseln tatsächlicher dokumentarischer TV-Aufnahmen – zu einem zeit- und politikkritischen Stück. Die ungewöhliche Erzählweise und die volle Dröhnung authentischer Sixties-Kultur machen den Film sehenswert.

Office Uprising

Eine Empfehlung aus meiner Twitter-Timeline (zum Thema Halloween/Horrorfilme). Genau genommen ist es eher eine Horrorkomödie – ja, es gibt zombieske Monster, die es zu besiegen gilt, aber so richtig ernst nimmt es sich nicht.

Qualitativ ist das nur ein B-Movie, der gut gelaunte Cast und ein ganz fabelhaft irrer Zachary Levi machen das aber gut wieder wett; nette Popcorn-Unterhaltung.

The Cleaners

Deutsche Dokumentation, vordergründig über die Arbeit der „Cleaner“ für Facebook, u.a. in Manila, die für den Tech-Konzern Bilder und Videos im Sekundentakt sichten und durchwinken oder blocken. Der Film holt jedoch viel weiter aus, setzt sich mit staatlicher Zensur (Türkei) und Massenhysterie und Genozid (Myanmar) ebenso auseinander wie den menschlichen und persönlichen Problemen der (ausgebeuteten) Arbeiterklasse auf den Philippinen und anderswo, die den undankbaren Job haben, den Hass und die Widerwärtigkeit der Welt da draußen immer und immer wieder zu erleben, und daran nicht selten zerbrechen. Erschreckend, notwendig. Unbedingt anschauen.

The Shining (143 Minuten-Fassung )

Jack Torrance (Jack Nicholson) begibt sich mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn in ein abgelegenes Resort in den Rocky Mountains, in dem er über den Winter nach dem Rechten sehen soll und nebenher – gerade dem Suff entronnen – wieder das Schreiben aufnehmen will. Horror-Klassiker aus dem Jahre 1980. Im Jahr 2018 wurde der Film als Kulturerbe ins National Film Registry der USA aufgenommen (der oben erwähnte Medium Cool im Jahr 2003). Ich habe The Shining nie bewusst im Ganzen gesehen und wollte diese Bildungslücke mal schließen. Die Highlights sind für mich die Kulissen / Orte, an denen das Ganze spielt, und natürlich die Mimik von Jack Nicholson, die  auf mich zum Teil aber comichaft überzeichnet wirkt. Die Storyline und die Charaktere an sich finde ich weniger überzeugend, der mysteriöse Überbau erscheint wirr. Vielleicht muss man das Buch / die Bücher von King gelesen haben oder alle Interpretationen zu Kubricks Film kennen, um das Werk richtig wertzuschätzen, aber ich werde damit nicht warm.

Veröffentlicht in Film + Fernsehen

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