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Filmnachlese 2019-06-07

Doom Patrol (Staffel 1)

Dass ich mit Superhelden-Gedöns so meine Probleme habe, ist ja bekannt. Doom Patrol versprach, ähnlich wie die Suicide Squad, einen Haufen kaputter Antihelden, und das hat die Serie in der Tat großartig abgeliefert. Die mit Alan Tudyk, Matt Bomer, Brandon Fraser und Timothy Dalton hochkarätig besetzte Story aus dem DC-Universe schwankt in den einzelnen Episoden zwischen brilliant, zynisch, Drogentrip-abgefahren und WTF, und ist nichts für sensible Gemüter oder Menschen, die auf Logik und Kontinuität viel Wert legen.

Doom Patrol führt in eine düster-chaotische Welt voll abgedrehter Wendungen und irrer Charaktere, die ebenso dümmlich-plakativ wie tiefschürfend und berührend daher kommen. Die Serie entzieht sich einem einfachen Schema. Um die ganze Season zu schauen, brauchte ich etwas Durchhaltevermögen. Mein persönliches Highlight ist – neben einer intensiven Episode um Niles Caulder und seine erste große Liebe – vor allem Diane Guerrero in den vielen Inkarnationen von Jane. Ja, kann man schauen, daran dürften sich aber stark die Geister scheiden.

Free Solo

Ich bin ein Fangirl, wenn es um Outdoor Adventures geht, und Free Solo wurde mir empfohlen, bevor es einen Oscar einsammelte. Die Doku begleitet Freeclimber Alex Honnold auf seinem Versuch, El Capitán, den ikonischen Felsen im Yosemite-Nationalpark, ohne Seile und Sicherung als Freeclimber zu besteigen.

Ich habe schon als Kind gern Bergsteiger-Bücher gelesen; Menschen, die an physische Extreme gehen, um für mich absurde Ziele zu erreichen, fand ich immer spannend. Was Free Solo aber für mich tatsächlich bemerkenswert macht, ist das sehr einfühlsam gestaltete Portrait von Honnold, der nach meinem Gefühl irgendwo im autistischen Spektrum residiert, und das große Glück hatte, sein extremes Leben so ausgestalten zu können, wie es für ihn passte. Ich bin wirklich und tatsächlich neidisch, weil er sein (lebensgefährliches) Ding machen kann, unter Umständen, die für mich nie gegeben gewesen wären. Darüber hinaus ist es aber vor allem ein grandioses Portrait eines (autistischen?) Extremsportlers und seiner Passion. Sehenswert.

Good Omens

Eines meiner absoluten Lieblingsbücher in einer 10-teiligen Serie von Amazon verfilmt. David Tennant als Dämon Crowley ist göttlich, äh, höllisch gut; die Musik ist ebenso auf den Punkt wie das Gesamtkonzept. Absolut großartig, Unbedingt anschauen.

Iron Sky: The Coming Race

War der erste Teil von Iron Sky noch ein eher rotziges SciFi-Ding, das vor allem Nazis durch den Kakao zog, so hat sich Iron Sky, Teil 2, zu einem „richtigen“ SciFi-Epos gemausert – das dieses Mal die gesamten irren Verschwörungstheorien des Planeten Erde auf dem Korn hat. Visuell ganz nett gemacht, mit vielen Spezialeffekten, ist der Film aber vor allem eine ideale Vorlage für ein Rate-die-Film-oder-Popkultur-Referenz-Trinkspiel; von The Expanse bis Herr der Ringe bleibt kein Auge trocken und keine Anspielung zu offensichtlich. Leider ist das – neben dem gewohnt souverän aufspielenden Udo Kier – aber auch schon so mit das Beste, was man über The Coming Race sagen kann. Der Plot ist dermaßen hanebüchen und voll logischer Löcher, dass man den Film am besten ohnehin kräftig angeheitert schaut, dann macht er recht wenig kaputt. Das Sequel, Verzeihung: Episode 3, steht am Ende ganz offensichtlich im (Welt-) Raum. Schade eigentlich, mit einem richtigen Drehbuch mit Sinn hätte es ein guter Film werden könne. So wird es wohl in der Schublade „C-Movie, der es früher maximal auf VHS geschafft hätte“ versacken.

Margin Call

Ein „Finanzfilm“ im weitesten Sinne. Der Film (der auf Deutsch den Untertitel „Der große Crash“ trägt) zeigt dem Zuschauer 24 Stunden der (beginnenden) Finanzkrise an der New Yorker Wall Street im Jahr 2007/2008. Das zugrunde legende Thema ist im wesentlichen Greed, Gier nach mehr, und die komplett erbarmungslose amoralische Haltung weiter Teile der Investment-Firmen dieser Zeit. Recht edel besetzt mit Demi Moore, Kevin Spacey, Simon Baker, Jeremy Irons und Zachary Quinto, der auch mitproduzierte. Insbesondere Spacey merkt man seine Theater-Performances an, die an House of Cards erinnern. Streckenweise vorhersehbar, aber kann man gut schauen.

Masterchef Australia (Season 11)

Wie eigentlich jedes Jahr von Mai bis Juli MasterChefAU geschaut. Am Format haben sich ein paar Kleinigkeiten geändert, im Groben zum Besseren der Show. Das Niveau, auf dem die Leute da kochen, ist atemberaubend. Wie auch schon im vergangenen Jahr fehlte mir aber so ein großer Favorit der Herzen. Zum Ende der Season macht das Gerücht die Runde, dass die drei Hosts, die die Show seit Anbeginn begleiten, aufhören – damit kann man die Show vermutlich als tot betrachten.

Moonwalk One

Bei arte aufgelesen, Doku aus dem Jahr 2009 (zu 40 Jahren Mondlandung), die erfreulicherweise im Originalton belassen wurde. Eigentlich eine Aneinanderreihung von (aufgearbeitetem) Originalmaterial aus 1969. Im Zuge des ganzen 50. Jubiläums der Mondlandung durchaus interessant anzuschauen.

Shaft (2019)

Samuel L. Jackson schlüpft ein weiteres Mal in die Rolle von John Shaft II, der in diesem Film ganz plötzlich mit seinem Sohn JJ konfrontiert wird, der ohne Papa aufwuchs.

Ein guter Cast (Lauren Velez, Richard Roundtree – natürlich -, Titus Welliver) und fetzige Musik können den Film trotz des gewohnt gut gelaunt aufspielenden Samuel L.  nicht über den Status nette Unterhaltung herausheben.

The Great Wall

Eastern/Fantasy. Mit Ausnahme von Matt Damon, Willem Dafoe und Pedro Pascal (besser bekannt als Oberyn Martell in Game of Thrones) eine komplett chinesisch besetzte Produktion aus Hong Kong / China. Ein Hauch Alien, ein Hauch GoT, viel CGI und bunte Rüstungen, eine Menge verzichtbarer Dialoge. Kein großer Wurf, aber ein interessanter Einblick in eine ganz andere Art von Kino und Filmverständnis – vielleicht sollte ich mal eine Weile chinesisches Kino schauen. Nicht super, nicht furchtbar, irgendwie so in der Kategorie „ach joh“.

The King – Elvis und der amerikanische Traum

Eine irgendwo in der Mediathek aufgelesene Doku, die es derweil unter dem Titel The King – Mit Elvis durch Amerika auch zu kaufen gibt. Eine vollständige Beschreibung findet sich auf der Begleitseite beim NDR. Ich fand den Ansatz, ein Stück Geschichte des 20. Jahrhunderts quasi am Lebensfaden von Elvis aufzuhängen und musikalisch zu begleiten, zumindest einen interessanten Blickwinkel und eine unterhaltsame Idee.

Vault

Der Film handelt von der (wahren) Geschichte des Bonded Vault Heist in den 1970ern. Theo Rossi spielt eine der Hauptrollen, Don Johnson taucht als supporting actor auf. Insgesamt habe ich das Gefühl, hier wurde mit der Hammermethode versucht, einen tarantinoesquen Look & Feel zu erzeugen, was aber wegen schwacher Dialoge und extrem überzeichneter Klischees mißlingt; die Handlung ist nicht zwingend, und das Ganze ist eher Lebenszeitvergeudung.

 

Veröffentlicht in Film + Fernsehen

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