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Abschied von der DSLR

Last updated on 11. Mai 2019

Im Jahr 2013 waren der Liebste und ich 9 wundervolle Wochen in Asien unterwegs. Und eine der schwierigsten Fragen damals war: welche Kamera(s) nehmen wir mit? Zwei Dinge waren uns wichtig. Zum einen wollten wir kein schweres System herumtragen – sowohl vom Gewicht als auch vom Platzbedarf im Gepäck her hätte uns eine DSLR eingeschränkt. Der zweite Punkt lag irgendwo zwischen Stealthen und dem Risiko, das „teure“ System zu beschädigen – durch Anschlagen, tropisches Klima, oder eben Diebstahl, weil es offensichtlich nach „Geld“ aussah.

Am Ende hatten wir zwei kleine Kompaktkameras dabei, eine Canon S100 und eine andere Canon aus der Powershot-Reihe. Die Kombination erwies sich als wirklich gut und deckte alles ab, was wir brauchten.

Für 2019 sehe ich mich (auch reisezielbedingt) vor ähnliche Probleme gestellt. Tatsächlich zeichnet sich ja schon seit mindestens zwei Jahren ab, dass ich die Kamerasituation verändern möchte. So sehr ich meine DSLR auch mag bzw. mochte, so toll ich die damit gemachten Bilder auch fand und finde, ein mehrere Kilogramm schweres, klobiges Kamerasystem führte bei mir immer mehr dazu, dass die DSLR im Auto liegen blieb, oder auf Touren im Rucksack blieb, oder sie überhaupt gar nicht erst mitkam, und ich die Fotos gleich mit dem Handy machte.

Mich davon trennen mochte ich aber auch nicht, weil es keinen Ersatz gab, der meinen Anforderungen genügte. Und doch…

Beim Hiken im Südwesten der USA wie in Europa entpuppte sich die DSLR immer wieder als schwieriger Ballast. Auf der Schulter bestand stets die Gefahr, die Kamera und/oder ein Objektiv anzuschlagen, selbst mit der Sicherung durch den Blackrapid Sport Strap. Der war eine große Erleichterung, um auch mal die Hände frei zu haben beim Klettern, und um „lässig aus der Hüfte“ schießen zu können, statt erst mal wieder die Kamera aus dem Rucksack zu pfriemeln oder gar um den Hals baumeln zu haben. Bei Fototerminen machte es die Erkundung von Locations deutlich einfacher. Dennoch, beim Wandern in unebenem Gelände schwang die Kamera bedrohlich hin und her, und war auch der Balance nicht zuträglich. Also wanderte die Kamera immer öfter in den Rucksack, um geschützt zu sein, und mir mehr Bewegungsspielraum zu geben, was automatisch dazu führte, das sie weniger genutzt wurde – und nicht selten dann eben doch gleich im Auto blieb.

Hauptgrund: das Gewicht. Im Rucksack sicher verstaut, war die DSLR zwar gut geschützt, oft musste ich mich dann aber zwingen, sie auch wirklich rauszuholen, um Bilder zu machen, und dann wieder zu verstauen. Mit einem einigermaßen flexiblen Zoom dran wurde sie nochmal deutlich schwerer. Und meine Food-Fotografie machte ich im Zeitalter immer besser werdender Smartphone-Kameras immer öfter mit dem Handy, ebenso die Schnappschüsse auf Reisen für unterwegs.

Ich startete einen Versuch mit einer kleinen spiegellosen SONY-Kamera, bei der mir aber weder die Haptik noch die Bedienung noch die Farbtreuheit zusagten. Zu einem 11-tägigen Singapur-Urlaub nahmen wir die DSLR ganz bewusst gar nicht erst mit – und vermissten sie auch nicht wirklich. Klar, bei Langzeitbelichtungen (die auch ein Stativ erfordern) wäre die DSLR dem Handy weit überlegen. Aber noch ein Stativ mitschleppen? Auf den Touren, wo wir eines dabei hatten, war es zu 98% Ballast.

Auf dem letzten US-Trip Ende 2018 hatten wir die 60D dabei, und haben auch einige tolle Fotos gemacht, aber dabei wurde mir wieder klar, warum ich mich mit der DSLR so schwer tue: ich benutze die Kamera als Reisebegleiter, und das primäre Ziel ist für mich das Reisen, das Erleben, nicht das Bildermachen. Meine eigenen Ansprüche an wirklich gute Fotos mit der Spiegelreflex (oder anderen großen Systemkameras mit Wechselobjektiven) würden aber das Fotografieren als Tätigkeit in den Vordergrund stellen. Scouten, Locations und Motive suchen, und diese immer mal wieder aufsuchen, bei unterschiedlichen Licht- und Witterungsbedingungen. Das würde mir durchaus Spaß machen, so ich denn die Zeit und die passende Location dazu hätte. Für die Zwecke, für die ich die Kamera primär benutze, ist sie aber zu schwer und klobig und unhandlich. Würde ich mit einem Campervan durch den Südwesten fahren, wäre es kein Ding, einige Kilo Ausrüstung und Stativ herumzuschippern; ich habe aber nicht den Leidensdruck von Profi-Fotografen, mehrere tausend Euro Ausrüstung auf jedem Trail durch die Gegend schleppen zu müssen.

Es ist mir nicht leicht gefallen, das Thema Spiegelreflex loszulassen. Im Grunde ist es das Gegenteil von all meinen Nerd-Instinkten, die nach „besserer“ High-End-Hardware schreien. Mit Festbrennweiten, Polfiltern, ND-Filtern und ähnlichem lassen sich fotografische Ergebnisse erzielen, die weit über den Möglichkeiten von Smartphone oder „Edel-Kompakter“ liegen; und mein innerer Foto-Nerd weint doch leise ein wenig. Ich will auch nicht ausschließen, dass ich in einigen Jahren wieder auf ein Wechselobjektiv-System zurück komme. Dennoch: im Augenblick, und auch im Hinblick auf meine mittelfristige Planung, gilt: weniger (kleiner, leichter) ist mehr.

Der Neuzugang in unserem Haushalt ist die Canon G7X Mark II geworden.

Sie passt bequem in die Jackentasche, wiegt inklusive Akku rund 400 Gramm, hat ebenfalls ein Klappdisplay, und wird hoffentlich mein ständiger Begleiter auf all meinen Touren in den nächsten Jahren sein. Willkommen!

Veröffentlicht in Fotografie

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