WMDEGT 2018-11

Wie an jedem Monatsfünften möchte Frau Brüllen auch heute wissen, was wir eigentlich den ganzen Tag tun. Mein Beitrag:


Eigentlich (denke ich mir) ist WMDEGT ja ein Tagebuchbloggen Event, und sollte als solcher eher das Normale, Alltägliche abbilden als das Besondere, und doch ertappe ich mich dabei, dass ich eben keinen normalen, sondern einen besonderen Tag abbilde. Aber was soll ich machen? Anfang November bin ich nun mal meistens im Urlaub, wie auch an meinem Beitrag auf dem Weg nach Singapur von vor einem Jahr zu sehen.

Und so sitze ich in einem Hotelbett in Lehi, Utah, es ist 2 Uhr, oder in Deutschland rund 8 Stunden später, nämlich 10 Uhr, und demzufolge wird dieser Beitrag, wenn ich ihn denn heute am frühen Abend fertigstelle, auch in der europäischen Zeitzone erst am Tag darauf erscheinen. Irgendwas ist ja immer.

Überhaupt, die Zeitzonen. Es ist also arschfrüh, und ich sitze in einem Hotelbett. Und das ist mein ganz normaler modus operandi, geradezu erwartet, denn hinter mir liegt ein Langstreckenflug (gestern) von Hamburg über Amsterdam nach Salt Lake City. Bei wirklich jedem einzelnen Flug in die USA in den letzten 6 Jahren war es so, dass wir am Morgen drauf superfrüh munter waren, und da macht auch der heutige Tag keine Ausnahme. Auch der Mann ist nach 6 Stunden Schlaf nun munter, wir trinken einen Tee und gehen in die Tagesplanungsphase – eventuell schauen wir nachher noch Last Week Tonight auf HBO in der Wiederholung.

Überhaupt, die Tagesplanung. Eine der schönen Traditionen bei unseren US Roadtrips ist es, morgens im Hotel/Motel-Bett den Weather Channel oder den Lokalsender mit Wetter- und Verkehrsfenster anzumachen, uns die Meldungen und die Wettervorhersage anzuschauen, und unseren Tag oder auch die nächsten zwei, drei Tage zu planen – Ausflüge, Wanderungen, mögliche Stops an interessanten Orten, Angebote für Hotelzimmer abzuklopfen, die hier sehr oft kurzfristig spottbillig sind, und dann unsere Tour drum herum zu wickeln. Nach dem Hotelfrühstück geht es on the road.

Überhaupt, das Hotelfrühstück. Nun bin ich keine große Frühstückerin vor dem Herrn, ein Kaffee reicht mir normalerweise, aber diese erste Nacht verbringen wir in einem Holiday Inn Express Hotel, das in den Vereinigten Staaten zu denen gehört, die – neben dem üblichen Zucker-und-Getreide-Irrsinn – ein „warmes“ Frühstück anbieten – also meist Rührei, ein paar Sausagepatties o.ä., und da es im Preis inbegriffen ist, nehmen wir das mir. Hotelfrühstück ist für Frühaufsteher oft blöd, für Noch-früher-hellwach-Seiende sowieso, und so manches mal waren wir froh, vor Sonnenaufgang loszufahren und irgendwo ganz früh am Trail zu sein. Aber nicht heute. Frühstück gibt’s um 06:00, das ist immerhin eine vernünftige Zeit.

Wir haben also noch massig Zeit. Was macht man mit so viel Zeit am frühen morgen? Alternative 1: losfahren und früher am nächsten Ziel sein. Alternative 2: einen 24 h geöffneten Supermarkt suchen, im Zweifel Walmart, und einkaufen gehen. Alternative 3: Zeugs auf dem Laptop abarbeiten. Bei Walmart waren wir gestern abend schon für das Nötigste, insofern lassen wir es heute langsam angehen und legen unser Roadbook für den Trip an. Nach einer Dusche finden wir uns um kurz nach 6 zum Frühstück ein, und 06:30 sind wir auf der Straße.

Unser erster Stopp sind die Bridal Veil Falls bei Provo. Das kalte Wetter lädt noch nicht wirklich dazu ein, den Trail dorthin zu laufen, und so beschließen wir nach kurzem Überlegen, doch nur den Fotostopp zu machen, und weiterzufahren.

Etws später kommen wir an einem County Park vorbei, irgendeine historische Siedlungm die uns nicht die Bohne lockt – die alte Eisenbahn, die dort zu bestaunen ist, zieht uns allerdings an, und wir machen einen weiteren kurzen Halt, um die Lok und wneigen Waggons der historischen Heber Valley Railraod zu beäugen. Die Sonneklettert langsam über die Bergrücken und taucht die oberen Kanten in ein tiefes Dunkelgold.

Der Himmel hat heute dieses bestechende tiefe Stahlblau, das ich so nur aus dem Südwesten der USA kenne, und in glasklarer Herbst-Winter-Luft kann man wirklich sehr sehr weit schauen. Unser nächstes Ziel auf der Todoliste ist der Fantasy Canyon, ein Sammelsurium bizarrer Felsformationen bei Ouray, Utah. Auf dem Weg dorthin machen wir noch einen spontanen Abstecher in ein Nature Reserve, in dem wir die Autotour durch die Pampa absolvieren, und scharenweise Kraniche sehen.

Am Trail des Fantasy Canyon schließlich treffen wir auf ein Paar mit Hund, er arbeitet for den Forest Service, sie ist Australierin, und wir quatschen eine ganze Weile in der Mittagssonne über das Reisen, Wandern, Natur, die Politik, das Leben, Gemeinsamkeiten und Unterschiede, ehe wir uns wieder auf unsere unterschiedlichen Wege machen.

Nach einem späten Mittagessen in Vernal fahren wir noch zur Utah-Seite des Doinosaur National Monument. Wir kaufen unseren America the Beautiful-Pass, und besuchen den Quarry. Ich hatte keine richtigen Erwartungen an diesen Park, aber der Quarry ist großartig. Unter Glas wurde hie riene kompletet Felswand/Ausgrabungsstätte im Originalzustand so erhalten,dass der Besucher sehen kann, wie die sehr zahlreichen Dinosaurierknochen hier im Gestein eingebunden sind. Ganz fantastisch. Auch die Umgebung ist wunderschön, und wir schauen uns in der Nachmittagssonne noch einige Petroglyphs an, ehe wir unsere Motel in Vernal aufsuchen.

Hinter uns liegt ein fabelhafter Urlaubstag, an dem wir ganz in unserem eigenen Rhythmus und gemächlich vorgegangen sind, und schon am Vormittag setzte im Kopf dieser Zen-Effekt ein, der sagte: jepp, genau richtig gemacht. Und so sitze ich auf dem Hotelbett, und tippe diesen Bericht fertig, und schlage  einen Bogen zum Tagesanfang. Der morgige Tag darf bitte auch gern so werden. Gute Nacht!

Schreibe einen Kommentar

Protected with IP Blacklist CloudIP Blacklist Cloud