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Filmnachlese 2019-01

Last updated on 31. Januar 2019

Ohne den Mann gesehen:

Luther (Staffel 5)

Da Torsten auch die anderen Luther-Staffeln nicht kennt, habe ich im Januar die 4 Folgen mal eben alleine inhaliert. Ich bin ein großer Fan von Luther, aber insgesamt war mir diese Season ganz erheblich zu dark und gewalttätig. Ob es eine sechste Staffel geben wird (und wenn, dann wann) steht ohnehin in den Sternen. Idris Elba sagte in einem Interview, Luther sei zu intensiv, um das jedes Jahr zu machen… und natürlich hoffe ich immer noch ganz leise auf einen black Bond.

Mit dem Mann gesehen:

Bad Times at the El Royale

Irgendwann in den 60ern (die Zeit lässt sich dank einer TV-Rede von Nixon, die auf einem Fernseher läuft, bestimmen) trifft sich ein obskures Trüppchen von Menschen in einem abgelegenen Hotel am Lake Tahoe, dem El Royale. Das El Royale ist einem real existierenden Hotel nachempfunden, der CalNeva Lodge. Besagte Lodge lag/liegt halb in Kalifornien und halb in Nevada, und die Nevada-Seite des Resorts hatte selbstredend eine Casino-Lizenz – ein Detail, das für den Handlungsverlauf allerdings irrelevant ist.

Die Personen, die wir kennenlernen, sind ein Staubsaugervertreter (Jon Hamm), von dem man bereits nach kurzer Zeit ahnt, dass er ein sehr seltsamer Staubsaugervertreter ist (sowohl die Zuschauer als auch die anderen Protagonisten); ein alternder Priester (ganz wunderbar: Jeff Bridges); eine Barsängerin (Darlene Sweet); eine junge Frau, über die wir sehr wenig erfahren (Dakota Johnson); und ein offensichtlich Drogen nehmender Motelbetreiber/Concierge (Lewis Pullman). Das Ganze hat ein Flair zwischen And then there were none und Identity – und spätestens, als der Priester versucht, die Barsängerin mit KO-Tropfen auszuschalten, ist klar, dass hier wenig so ist, wie es zu sein scheint…

Der wahre Star des Filmes ist für mich das Hotel bzw. die Ausstattung des Ganzen – eine Hommage an das Design der 60ies, stimmungsvoll und ganz wunderbar zur langsamen, intensiven Erzählweise des Filmes passend. Das Auftauchen von Chris Hemsworth als Sexappeal versprühender Anführer eines irren religiösen Kultes ist eigentlich nur Eye Candy, sorgt aber für ein paar nette Plot Twists. Bad Times at the El Royale ist trotz gelinder Anklänge an Tarantino und fabelhaft aufspielendem Cast keiner der ganz großen Würfe der Filmgeschichte, aber sehr gute, extrem stimmungsvoll in Szene gesetzte old-school Unterhaltung, und für mich der beste Film, den ich seit langem gesehen habe.

Operation Mondlandung – Die NASA und die Ex-Nazis

Im Rahmen des Winter of Moon, der Sondersendungen zum Thema Mond auf arte im Januar, gesehen. Eine gut umgesetzte Doku zu den Wurzeln der amerikanischen Raumfahrt, deren größte Erfolge auf die Raketenforschung (und -forscher) der Nazis zurückgehen, mit vielen interessanten Details und auch Zeitzeugen und deren Nachfahren, die zu Wort kommen. So z.B. die Sekretärin von Wernher von Braun, Dorette Schlidt. Neben den üblichen Infos zu V2 und Peenemünde geht es u.a. auch um Artur Rudolph und Hubertus Strughold. Wirft einige bemerkenswerte Schlaglichter auf die Geschichte der Raumfahrt und zeigt, dass die US-Amerikaner mehr als nur ein Auge zugedrückt haben, um sich das Know-How der Nazis anzueignen. Mir bleibt besonders in Erinnerung, dass jemand von Braun als hemmungslosen Opportunisten beschrieb, und die Entwicklung der modernen Luft- und Raumfahrtmedizin, die z.T. auf den Menschenversuchen der Nazis in KZs aufbaute.

Jean-Michel Jarre – A Journey Into Sound

Ebenfalls aus dem Winter of Moon von arte. 53 Minuten Doku über Jarre und seine Musik. Obwohl ich ein Fan der Musik von Jarre bin, wurde ich mit der Doku nicht warm – oder vielleicht eher, mit Jarre selbst. Das Biopic wirkt, als habe er es selbst produziert – er lässt sich u.a. von seiner Frau Charlotte Rampling interviewen, und das Ganze hat einen etwas selbstbeweihräuchernden Tonfall. Eine etwas besser strukturierte und mit einem kritischeren (externen) Blick versehene Produktion hätte ich dem vorgezogen, so plätschert die Doku hart am Rande der Belanglosigkeit vor sich hin.

Kubrick, Nixon und der Mann im Mond

Ein weiteres Objekt aus dem Winter of Moon. Ich hatte den Film vor ein paar Jahren schon einmal gesehen, konnte mich aber nur noch bruchstückhaft daran erinnern, deswegen haben wir ihn erneut angeschaut. Es handelt sich um ein Mockumentary aus dem Jahr 2002, das im Stil einer Doku von der angeblichen Mondverschwörung berichtet – Stanley Kubrick soll demnach der CIA geholfen haben, in den Studios von 2001 eine gefakete Mondlandung filmisch produziert zu haben. Spielt gekonnt mit Facts & Fiction und aus dem Kontext gerissenen Interviewschnipseln. Gleichzeitig wird es wahrscheinlich genug Leute geben, die dieses Ding – trotz teils ganz offensichtlicher Hinweise darauf, dass es sich um eine Satire handelt – für bare Münze nehmen.

A Year in Space

Zweiteiler von PBS über Scott Kelly und seine beinahe ein Jahr umfassende Weltraummission auf der ISS, mit viel Originalmaterial von Kelly und der Nasa, und Ausblicken auf die Orion-Mission und die Ausbildung junger Wissenschaftler bei der NASA. Interessant gemacht.

First Man (Aufbruch zum Mond)

Im Zuge der Mond-Space-Dokus lag es nahe, sich auch mal diesen Film zum Thema Mondlandung anzuschauen. Ryan Gosling verkörpert in dieser Produktion Neil Armstrong. Erzählt wird im Grunde die Vorgeschichte der Mondlandung. Wirklich spannend ist nur die Eingangssequenz mit einem Stratosphärenflug, den in der Realität allerdings nicht Armstrong absolviert hat – der Rest des Filmes ist eher langweilig. Wirklich gut gelungen ist die Ausstattung des Films sowie die Kamerawinkel und Beleuchtung, die oft das Gefühl vermitteln, tatsächlich in einer Originalumgebung aus den 60ern zu sein. Das allein reicht aber nicht für den Sense of Wonder. Unwillkürlich wünsche ich mir, man hätte daraus ein Mockumentary mit etwas mehr gestraffter Handlung und Fakten gemacht. Tendenziell Zeitvergeudung.

Wreck-It Ralph

Kunterbuntes Disney-Animations-Spektakel aus dem Jahr 2012. Wreck-It-Ralph ist eine Figur aus einem Arcade-Game der 80er, der als „bad boy“ Gegenpart zum „guten“ Fix-It-Felix im Spiel existiert. Die Figuren sollen wohl Donkey Kong abbilden. Ralph ist eigentlich ein netter Typ, und ist zutiefst enttäuscht, weil er nicht mal zur 30-Jahr-Feier seines Games von den anderen Charakteren eingeladen wurde. Und so zieht er los, ein Held zu werden, um endlich auch mal auf der Seite der Guten zu sein.

Dabei spaziert er in einen First Person Shooter, gewinnt dort tatsächlich auch eine (für den Fortgang der Story wichtige) Trophäe, und setzt blöderweise so etwas wie die Aliens aus Alien frei. Auf der Flucht landet er im Game Candy Rush, einem Rennspiel in bonbonbunter Umgebung, und sorgt dort im Verein mit der frechen kleinen liebenswerten Göre Vanellope für reichlich Tohuwabohu – und muss am Ende natürlich die Welt retten.

Der Film ist mit viel Liebe zum Detail ausgestattet – Verneigungen vor der Gaming-Welt der 80er und 90er, viele nette kleine Gags für die Generation, die damals Gaming erfunden und gelebt hat; nerdig-intelligente Details, die den Großen Spaß machen, sowie fabelhafte Sprecher (Jane Lynch, Alan Tudyk, Sarah Silverman, John C. Reilly) machen die quietschbunte Welt zu einem großen Vergnügen. Für die Kleinen gibt es eine tolle, witzige Heldin und eine liebevoll ausgestaltete Storyline – ein Spaß für die ganze Familie. Hat mir wirklich sehr gefallen, und ich freue mich auf Ralph Breaks the Internet.

Veröffentlicht in Film + Fernsehen

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