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#blocktogether – oder auch nicht

Seit geraumer Zeit benutze ich auf / für Twitter ein Tool namens Blocktogether. Ich glaube, das erste Mal kam ich damit via Wil Wheaton in Kontakt:

Die Idee an sich ist sehr angenehm: man crowdsourced im Grunde das Blocken von Vollspacken auf Twitter. Nicht erst, seit Sascha Lobo das Blocken quasi zum Menschenrecht erhoben hat (Link zu SpOn), ist Blocken und Muten das Werkzeug der Wahl; ich gehörte auch zu Fido- und Usenet-Zeiten zu den Leuten mit wohl gepflegten Score-Filtern. Ich habe einfach anderes zu tun, als mich anpöbeln zu lassen oder menschenverachtenden Dreck und Hass zu lesen.

Es gibt eine ganze Menge gut kuratierter Listen auf Blocktogether, ich folge bzw. folgte dort zwei Listen, die Nazis blockten, und einer, die Transphobie aussperrte. Und dann stellte ich fest, dass plötzlich Accounts, die ich definitiv nicht geblockt hatte – diverse halbwegs liberale Medien, einige Promis die ich mag – bei mir geblockt waren.

Das erste Problem mit anderer Leute Blocklisten: sie blocken ggf. Menschen, die man selbst lesen möchte, aus was für Gründen auch immer. Leider kann man nicht mehrere Blocklisten anlegen, d.h. auf diesen Listen landet automatisch jeder, den jemand wegen was auch immer geblockt hat, und die Abonnenten blocken diese mit. Bei Einzelfällen kann man das manuell beheben, und bei gut gepflegten Listen ist das verschmerzbar. Und jetzt kommt das Aber.

Nicht nur, dass anscheinend die Betreiber/in der Transphobie-Liste so ziemlich alles, was auch nur näherungsweise mit Feminismus zu tun hatte, ausgesperrt haben/hat, das zweite Problem: die beiden Nazi-Bot-Blocklisten, die ich abonniert hatte, wurden ganz offensichtlich gehackt.

Nach und nach habe ich durch Durchklicken bei linksliberalen und danach russlandkritischen Twitterern und deren Follows / Followern verifiziert, dass eine riesige Menge an russlandkritischen und pro-ukrainischen Twitteraccounts auf einmal geblockt wurde, insbesondere weite Teile der britischen und liberalen amerikanischen Presse, sowie jede Menge Regimegegner, was nur den Schluß zulässt, dass hier ganz gezielt vorgegangen wurde. Ich habe das eher zufällig bemerkt. Eine Menge Nutzer von Blocktogether werden Listen abonniert haben, die ähnlichen Attacken zum Opfer gefallen sind, und es nicht bemerkt haben. Ich habe einen vollen Vormittag durch meine Timeline und deren Follows geklickt und hunderte Accounts entblockt, die ich niemals geblockt hätte, und die alle in den Bereich Russland / Menschenrechte / Ukraine und zum Teil auch Brexit-Kritik fallen. Und das ist sicher nur die Spitze des Eisbergs.

Ich habe meine Nutzung von Blocktogether schweren Herzens eingestellt, und rate zumindest, mal die eigenen Blocks kritisch durchzusehen, was gerade bei sehr umfangreichen Blocklisten, wie ich sie habe, schwierig ist. Schade, dass Twitter einem die Verwaltung dieses inhärent wichtigen Tools so erschwert…

Veröffentlicht in Querbeet

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