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Aus dem Archiv: Evernote backupen – oder: die Sache mit .enex

Last updated on 23. März 2019

 Originaldatum: 22. Februar 2015

Der eine oder die andere benutzt Evernote für seinen digitalen Workflow – ich auch, jedenfalls noch, aber das ist eine andere Geschichte für einen anderen Artikel. Aber der Grund dafür, dass ich mich langsam von Evernote verabschiede, liegt u.a. in der Backup-Problematik; oder genauer, in dem Problem, die Dinge, die ich in Evernote ablege, daraus vernünftig und brauchbar im worst case auch wieder herauszubekommen.

Wieso brauche ich ein Evernote Backup?

Die erste Antwort darauf ist: weil. Realistischerweise braucht man von allem ™ ein Backup. Nur zur Sicherheit. Was, wenn Evernote aus irgendwelchen Gründen die Grätsche macht? Nicht erreichbar ist? Durch einen Glitch den Stand von vor X Monaten auf meine Devices synct? Ich schlicht nicht mehr mit Evernote arbeiten will?

In meinem digitalen Zettelkasten, als der Evernote für mich fungiert – es gibt Leute, die ihre gesamte Arbeits- und zum Teil auch Familienorganisation mit Evernote erledigen – liegt eine Menge Zeug, das nicht (oder nicht mehr) im Web verfügbar ist. Da finden sich Scans von allerlei, die ich hochgeladen habe, Fotos, Clippings von Websites, die offline gegangen oder hinter Paywalls verschwunden sind, Mails, die aus den IMAP-Accounst gelöscht wurden, und vieles mehr. Manches habe ich auch noch anderweitig gesichert, anderes nicht.

Um ein Backup von Evernote zu erstellen, gibt es mehrere Wege, mit unterschiedlichen Fußangeln.

1. Backup der kompletten Datenbank

Das ist die Option, die sich anbietet, wenn man sein Evernote auf einem Rechner wiederherstellen möchte – genauer: die gesamte Datenbank. Effektiv tut man nichts anderes, als die entsprechenden lokalen Systemdateien an einen anderen Ort zu sichern, von dem aus man sie zurückspielen könnte. Je nachdem welche Version von Evernote man betreibt, finden sich diese an unterschiedlichen Stellen.

Windows (Vista, 7, 8) -- C:\Users\[Your Username]\AppData\Local\Evernote\Evernote\Databases
OS X -- /Users/[Your Username]/Library/Application Support/Evernote oder com.evernote.Evernote
OS X (AppStore-Version) -- ~/Library/Containers/com.evernote.Evernote/Data/Library/Application Support/Evernote/

Als Mac-User ist man hier eigentlich fein raus, denn wenn man TimeMachine richtig einsetzt und eingestellt hat, erledigt diese den Job im Hintergrund sowieso automatisch. Wer etwas paranoider noch auf ein weiteres Medium oder vielleicht in die Cloud sichern möchte, kann das natürlich zu Fuß machen.

Der Nachteil liegt aber auch auf der Hand: damit kann ich nur die Datenbank wiederherstellen, und nur als Ganzes. Will ich nun meine Daten noch aus Evernote herausziehen, muss ich das immer noch händisch machen – das kann je nach Umfang der Datenbank ganz schön mühsam sein.

2. Export aus Evernote als .enex-File

.enex ist das Evernote-eigene Export-Format, und im Prinzip eine Art XML-Datei. Man kann aus Evernote sowohl alle Notizen auf einmal als auch einzelne Notizbücher als .enex-File exportieren – und hier zeigt sich, dass es ggf. sinnvoll ist, Notizbücher zu pflegen, selbst wenn einem das nicht so liegt. Ein Export meiner gesamten Datenbank aus Evernote ergibt nämlich derzeit – und ich bin bei weitem kein Poweruser – eine Größe von rund 3,8 GB. Mit 16 GB RAM ausgestattet, gehen dabei auch meine XML- und Texteditoren locker in die Knie. Stattdessen bietet sich ein Notebook-basierter Export an. Ich benutze dafür ein AppleScript von Jamie Rubin, welches man hier bei Github findet. In den Kommentaren zu Jamie Rubins Beschreibung findet sich auch ein Shell-Script für Windows-Nutzer.

Man merkt aber bereits, dass auch das keine bequeme Klick-und-Wiederherstell-Lösung ist – aus zwei Gründen.

Zum einen handelt es sich um reines XML – mein Notizbuch mit Thairezepten sieht in Sublime etwa so aus,

und daraus einzelne Files zu regenerieren ist mühselig. Ohne genaue Kenntnisse der Materie daraus seine Ur-Daten komfortabel herausziehen zu können, ist ebenfalls fast unmöglich.

Zum anderen, und das ist eine viel größere Crux bei der Sache, ist .enex kein Backup, sondern es wird von Evernote als Kopie behandelt. Das ist ein nicht ganz unwichtiger Unterschied. Spiele ich nämlich meine .enex-Datei auf Evernote ein, wird mitnichten die alte Version hergestellt, sondern die Inhalte des .enex-Files werden neu aufgespielt und als neue Artikel angelegt (und für alle, die keinen unbegrenzten Upload haben, auch als neue Uploads zum Account-Volumen hinzugerechnet). Ich habe das festgestellt, als ich eine Kopie der Datenbank auf den Laptop ziehen wollte, um mir stundenlanges mühseliges und regelmäßig abbrechendes Syncen zu ersparen… (now that went well).

Als wäre das nicht nervig genug, kostet es sehr viel Zeit, all das neu zu syncen, und man muss die Doubletten hinterher noch manuell wieder entfernen. Keine gute Idee. Eine Option ‘diesen Artikel gibt es bereits – überschreiben / abbrechen / neu anlegen’ kennt Evernote (leider) nicht.

3. Export als HTML-File

Will man auf seine Daten mit so etwas wie Lesbarkeit zurückgreifen können, bietet sich der HTML-Export aus Evernote an. Der legt allerdings jeden einzelnen Eintrag in der Datenbank als eigenes HTML-File mit eigenen Dateien im Unterordner (für PDF oder Grafiken usw.) an. Bei sehr vielen Notizen wird das eine sehr umfangreiche Sammlung, die keinerlei übergreifende Navigation besitzt. Immerhin kann man die einzelnen Files dann aus den Unterordnern ziehen, und die HTML-Dateien auch vernünftig lesen.

Bei HowToGeek findet sich noch eine Anleitung, wie man seine Evernote-Importe mit der Dropbox so aufsetzt, dass man eine Kopie davon in der Dropbox behält. Ich habe eine Weile etwas ähnliches betrieben, nur das meine Kopien automatisiert (mit IFTTT) in meinen Google Drive gingen. Der Vorzug an Google Drive: alle Dateien eines Ordners lassen sich gleichzeitig in einem ZIP-File herunterladen. Das ist aber kein Backup im klassischen Sinn, sondern eher eine altmodische Version, Kopien woanders abzulegen – die auch ihre Vorzüge hat, solange sie automatisiert ist. Nur bekommt man darüber alles aus dem Webclipper eben nicht mit.

Fazit

Für das reine Backup der Datenbank für Evernote empfiehlt sich tatsächlich die unter 1. vorgeschlagene Version; um seine Daten aus Evernote im Zweifel herauszubekommen, muss man sich andere Methoden überlegen. Der HTML-Export funktioniert, komfortabel geht aber anders. Und .enex ist eigentlich eine ziemliche Krücke, die nur dann sinnvoll ist, wenn man ggf. einzelne Notebooks speichert und diese “wiederherstellen” bzw. neu anlegen möchte.

Veröffentlicht in Notizen machen

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