Filmnachlese 2018-04

BBC – Back in Black (Terry Pratchett)

Ein ganz wunderbares BBC-Biopic über Sir Terry Pratchett, Erschaffer (nicht nur) der Scheibenwelt. Neben Paul Kaye, der in die Rolle des verstorbenen Autors schlüpft, kommen u.a. Pratchetts Tochter, Illustrator Paul Kidby, Fan und Audiobooksprecher Stephen Briggs, und natürlich sein Freund Neil Gaiman zu Wort, der für eine der herzzerreissendsten Szenen der Doku sorgt. Großartig und berührend.

BBC – King Charles III

England nach dem Tod von Elizabeth II – Prince Charles wird König und zum Spielball der Politik, die ganz andere Interessen als der frisch gebackene Monarch verfolgt, und an seinem Stuhl sägt. Adaption des Theaterstückes von Mike Bartlett, mit Tim Pigott-Smith als Charles, Margot Leicester als (ganz fabelhafte) Camilla, und Richard Goulding III als Harry (den er ja auch in The Windsors verkörpert hat).
Von der BBC als „future history drama“ gepriesen, ist der Film eine nicht sonderlich gelungene Melange aus shakespearean anmutendem Bühnendrama und Politthriller, mit ausgesprochenen Längen und einem Königs-Drama angemessener Düsternis. Man wünscht sich förmlich ein Remake von den Machern von House of Cards oder Game of Thrones, das den drögen Abschnitten etwas Leben einhauchen würde, dann wäre es eine fabelhaft bitterböse Satire, oder doch eher Realitätsabbildung.

Lindsay Ellis: The Hobbit: A Long-Expected Autopsy (Youtube)

Dieser Tweet war schuld. Obwohl ich die Hobbit-Trilogie nicht gesehen habe, gehört diese Doku zum Besten, was ich seit langem an Filmkritik und erst recht bei Youtube gesehen habe. Lohnt sich absolut.

Proud Mary

Der Trailer für Proud Mary – mit Taraji P. Henson als Auftragskillerin – rockte dermaßen, dass ich den Film unbedingt sehen wollte.

Leider fällt der Film gegenüber dem Trailer dann doch ziemlich ab – geboten wird nicht eine tarantinoesque Mord-Orgie, sondern dafür ein ziemlich klassisches Filmmotiv – Bad Boy, bzw. in diesem Fall Girl, begegnet einem Kind, verändert dessen Leben und wird im Gegenzug selbst verändert, bis hin zum Showdown mit den ehemaligen Partnern und Auftraggebern. Der Soundtrack fetzt, und selbstredend macht Henson eine ganz ausgezeichnete Figur, aber unter dem Strich ist das nur ein mittelmäßiger, wenn auch unterhaltsamer Actionstreifen nach alten Mustern.

Vom Bad Girl zu den

Bad Boys / Bad Boys II

Ich habe den 1995 erschienenen Film und sein 2003er Sequel noch nie gesehen, und als ich kränkelnd auf dem Sofa vegetierte, schien mir das der ideale Moment dafür. Ein sehr junger Will Smith actionblödelt sich an der Seite von Martin Lawrence durch die Harte-Schwarze-Jungs-und-Cops-Klischees der 90er, und damit ist auch fast alles gesagt. Im Rückblick lässt sich feststellen, dass Will Smith nie ein besonders guter Schauspieler war und wohl auch nie sein wird. Teil 1 ist ein einigermaßen spannendes Cop-Action-Drama mit viel Geballer und echten bösen Jungs vom Serienklischee-Reißbrett; Teil 2 ist ein absolut uninspiriertes Dauer-Kabumm-Spektakel, bei dem man sich wünscht, dann doch stattdessen einen der Die-Hard-Filme oder die Lethal-Weapon-Serie aus dem DVD-Regal gezogen zu haben. Muss man echt nicht haben.

Ferdinand

Vergnügtes Animationskino aus dem Hause Pixar. Held ist der junge Stier Ferdinand, der in einer spanischen Kampfstierzucht aufwächst, und zusehen muss, wie sein Vater und auch seine Freunde abgeholt werden und nie zurückkehren. Natürlich glaubt jeder der Stiere, ausser der blumenliebende, schmächtige Ferdinand, dass ER es den menschlichen Toreros aber so richtig zeigen wird, und als strahlender Held von dannen zieht. Doch als Ferdinand aufgrund eines dummen Unfalls mit einer Biene völlig ausrastet und zum nächsten Gegner des Matadors der Matadore erkoren wird, flüchtet er, und landet irgendwo im spanischen Hinterland (als die Gegend im Ronda zu erkennen) auf einer kleinen Farm, bei einem kleinen Mädchen, das ihn abgöttisch liebt. Dort lebt er ein glückliches Leben, bis er auf dem Blumenmarkt der Stadt gepiesackt wird, und schließlich doch in der Arena antreten muss…

Liebevoll animiert, mit für meinen Geschmack zu vielen Auslassungen (Kühe scheint es keine zu geben, nur Stiere und deren Söhne; multiplen Nachwuchs von Stieren gibt es ebenfalls nicht, alles Einzelkinder; Besitzrechte an Eigentum sind auch keine bekannt; die menschlichen Figuren zeichnen sich durch den größtenteils spindelförmigen Körperbau aus, den man aus Despicable Me kennt, insgesamt übertüncht eine klebrigsüß-falsche Heile-Welt-Stimmung die Handlung). Gute Sprecher im Original und eine Menge netter Gags machen dennoch ein auch für Erwachsene vergnügliches Filmspektakel draus, das man gut mit Kindern anschauen kann, für die es ganz offensichtlich auch gemacht wurde.

Cars 3 – Evolution

Und noch ein Animationsfilm. Lightning McQueen altert vor sich hin, seine Technik ist überholt, und für den Star der Racing-Cars wird es Zeit, sich aufs alte Eisen zurückzuziehen. Aber er möchte noch einmal groß auftrumpfen, und so bekommt er eine Trainerin an die Seite gestellt, die ihm helfen soll, das letzte aus seinem Chassis herauszuholen. Der Plot ist vorhersehbar, die Animation und die Figuren sind aber mit so großer Liebe zum Detail ausgeführt, dass es eine Freude ist, sich Cars 3 – Roadtrip und Training am Strand und auf einer halb verfallenen Rennbahn inklusive – auch mehr als einmal anzusehen. Ein würdiger Abschluss der Cars-Trilogie.

Ein Kommentar bei „Filmnachlese 2018-04“

  1. […] paar Reisedokus aus der ARD-Mediathek, und für meine Verhältnisse viele Filme, hier in der Filmnachlese April zu […]

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