WMDEGT 11/2017

Wie an jedem Monatsfünften möchte Frau Brüllen auch heute wissen, was wir eigentlich den ganzen Tag tun. Mein Beitrag:


Es fühlt sich heute eigenartig an, diesen Beitrag zu starten. Natürlich beginnt mein Tag mal wieder entschieden zu früh (um 3 Uhr), und das habe ich auch nicht anders erwartet – denn im Gegensatz zu vielen anderen 12von12- oder WMDEGT-Tagen hatte ich schon Wochen im Voraus eine recht genaue Vorstellung davon, wie der heutige Tag sich gestalten wird. Und ich weiß auch, dass er furchtbar lang werden wird, aber ich wann ich dieses Posting beenden werde, ist noch offen – es kann gut sein, dass das erst morgen im Laufe des Tages sein wird. Der Hintergrund ist ganz einfach: ich begebe mich auf Reisen. Der Flug ist seit Monaten gebucht, das ist dem inneren Unruhestifter aber kappes. Egal, wie viele Flüge und Meilen ich auch zurück lege, manche Dinge ändern sich wohl nie.

Und so lese ich erst mal eine ganze Weile die Twitter-Timeline leer, ehe ich dann doch noch ein Bild vom gerade absolvierten Kurztrip nach Belgien auf dem Reise-Instagram-Account veröffentliche, mich anziehe, und mir einen Kaffee warmmache, um diesen Beitrag zu beginnen. Für den Vormittag steht noch Packen auf dem Plan – der Inhalt für’s Daypack liegt minus Brille, Handy und Handyladekabel seit gestern Abend auf dem Esstisch bereit. Normalerweise hätte ich gestern schon gepackt, aber so viel brauche ich für den Trip auch wieder nicht, dass ich nicht auch bequem noch den Vormittag dafür nutzen könnte. Dann hibbele ich wenigstens nicht so viel rum.

Um 3:45 ist die Nachtabsenkung der Heizung noch aktiv, deswegen wickele ich mich leicht fröstelnd in eine Decke und wärme die Hände an der Tasse. Ich lese einen Artikel zu Vitamin B12, und nehme mir mal die Twitter-To-Read-Liste vor, während ich überlege, was ich heute am geschicktesten anziehe, um nicht am Zielort gleich den Hitzekoller zu kriegen, aber auch in Hamburg nicht auf dem Weg zum Flughafen zu bibbern. Zwei Mails warten noch auf Beantwortung, aber ich weiss noch nicht so recht, wie ich auf die jeweiligen Vorschläge reagieren will. Später vielleicht.

Kurz nach 4. Mir ist kalt. Gemessen daran, dass ich in etwas über 24 Stunden über exakt das Gegenteil meckern werde, ist das zu verschmerzen. Habe keine Lust, Artikel zu schreiben. Nochmal hinlegen ist irgendwie auch keine Option. Die Sonne geht in 3 Stunden auf. Winter ist doof.

05:30. Ich mache mir einen Tee, räume die Dropbox-Kamerauploads auf, schiebe die Belgien-Fotos in einen eigenen Ordner auf dem Fileserver und lösche Fotos vom Handy. In der Mailbox poppt eine Gastbefragung von IHG auf, die ich auch gleich noch erledige. Ein kurzer Blick in ein paar Facebook-Gruppen zu Themen, an denen ich arbeite…  ich kann mich bei einigen Fragen und Antworten nicht zwischen IndieTischkantebeißen und DenKopfandieWandschlagen entscheiden. Genervtheitslevel auf nahezu maximum. Realistischerweise sind die Leute genauso doof wie immer, aber meine Coping-Mechanismen derzeit ausgereizt. Vielleicht ist es auch der bekannte Faktor, dass ich die Themen innerlich jetzt so weit abgearbeitet habe, dass ich von einigen Gruppen weitestgehend Abstand nehmen sollte. Die Entscheidung fällt dann wohl mal wieder um Weihnachten oder Silvester. Um 06:00 beschliesse ich, den Schlaf des Liebsten zu stören und mich noch ein Weilchen zu ihm zu kuscheln.

07:00. Erstes Frühstück. Die Busverbindung zum Airport gecheckt. Ich setze mich mit dem Kaffee wieder an den Schreibtisch und starre die DSLR an, die dieses Mal zu Hause bleibt. Nach den Erfahrungen der letzten Wochen und Monate ist das Extra-Gewicht auf dem Buckel/der Schulter, das ich mir wirklich schenken kann, und das ich mehrheitlich ohnehin sinnlos umherschleppe. Ich hätte gern (wieder) eine kleine Taschenkamera, aber alles, was mir gefiele, sprengt mein Budget, insofern muss es dieses Mal das Handy tun.

08:10. Bis auf Handy, Ladekabel, Brille und das Bocage-Deodorant ist alles gepackt. Das Forge-of-Empires-Reich ist auch mit Arbeitsaufträgen versorgt. Es regnet. Zeit für den nächsten Kaffee.

09:30. Mit unseren Müttern telefoniert und uns ordnungsgemäß abgemeldet. Es regnet immer noch. Statt noch etwas spazieren zu gehen, google und amazone ich also Zutaten für ein mögliches Weihnachtsmenu. Auch als Foodie lernt man nicht aus.

11:15. Mit dem zweiten Frühstück im Magen machen wir uns aufbruchfertig. Gut, Sandalen sind bei dem Wetter nicht die ideale Schuhwahl gewesen, aber bis der Flieger abhebt, sind die Füße voraussichtlich eh wieder trocken. Noch das letzte Geschirr abwaschen, auf dem Weg nach draußen den Müll mitnehmen, und dann geht es zum Bus, zur U-Bahn, zur S-Bahn, zum Flughafen.

14:00. Ich sitze im Flughafen vor dem Gate und schaue den vorbeigehenden Menschen beim, nunja, Gehen zu. Schlurfen, Hasten, Federn, Stöckeln, Hinken…  es ist eine rechte Freakshow. Was da an Bein- und Hüftfehlstellungen, Skoliosen, antrainierten Fehlhaltungen an mir vorbeiflaniert – kaum jemand kann richtig locker und natürlich gehen. Man möchte glatt stantepede eine physiotherapeutische Praxis aufmachen. Vielleicht sollten wir an Schulen auch auch so banale Dinge wie Gehen, Laufen, posture, richtiges Schuhwerk lehren…

15:22. Mit nur zwei Minuten Verspätung hebt unsere Boeing 777 nach Dubai ab.

23:30. Landung in Dubai, hier ist es knapp 3 Stunden zeitversetzt, also in dieser Zeitzone schon Montag. Wir laufen die 10.000 Schritte des Tages schon zwischen den Terminals (nach der Einreise gefühlte 5.000 zum ersten von am Ende drei Security-Checks für connecting flights), gondeln dank Bauarbeiten mit einem Bus noch etwas über den Airport, und sitzen am Ende in einem ungewohnt leeren A380 nach Singapur. Und hier endet auch mein 5.11.

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