WMDEGT 09/2017

Dank einer freundlichen Erinnerung von Frau excellensa auf Twitter gibt es heute erstmals auch ein WMDGET von mir – an jedem 5. des Monats will Frau Brüllen nämlich wissen, was wir eigentlich so den ganzen Tag lang machen.


Mein Tag beginnt – mal wieder – erheblich zu früh: um 04:38 gebe ich das Wiedereinschlafenwollen auf, setze Teewasser auf und mich an den Rechner, wo ich bis 6 Uhr erst mal lese. Auf der Habenseite: es hat noch kein Irrer einen Atomkrieg angefangen. Dann kuschele ich mich noch ein Stündchen dösend an den Mann. Nach dem Frühstückskaffee schreibe ich eine Notiz an den DHL-Boten, weil aufgrund eines komplizierten DHL Versand-F’Ups heute etwas kommt, das gestern schon kam, ich also heute die Annahme verweigern muss. Normalerweise ist kein Schwein im Haus und/oder nimmt was an (außer mir), aber ich wette, genau heute nähme dann der freundliche Nachbar was an, während ich gerade draußen bin.

Ich daddele ein bisschen Forge of Empires, pflege Blogs durch, sitze noch mit nackten Füßen am Rechner (ich weigere mich, den herannahenden Herbst wahrzunehmen, gestern saß ich noch im Trägershirt in der Sonne), starte diesen Beitrag. Lese etwas zur Protein Leverage Hypothesis und dem anderen Recherchethema des Tages nach, und schreibe eine grobe ToDo-Liste für die nächsten Tage und einen Einkaufszettel für den Asienladen. Dann geht’s unter die Dusche und für den Tag frisch machen.

10:30 Uhr. Ich hadere kurz mit Helm oder nicht Helm, entscheide mich dann aber doch dafür. Ein Retourenpaket wandert ins Backpack. Der DHL-Zettel geht an die Haustür, dann schwinge ich mich aufs Bike. Ich erschließe mir dank neuen Fahrrads neue Routen durch den Stadtteil. Heutige Tageslektion: Kopfsteinpflaster geht überhaupt gar nicht. Ganz ganz furchtbar. Die Trinkflasche, die ich mir extra befüllt habe, steht, wie ich bei einem Stopp bemerke, zu Hause. Läuft. Das Fahrradschloss liegt auch noch zu Hause, mal eben in den Discounter gehen ist also nicht drin. Immerhin steht ein DHL-Fahrzeug an der Packstation, die mein Ziel war, und der nette Mensch nimmt mir meine Retoure gleich ins Fahrzeug ab.

An der Grundschule Neurahlstedt vorbei kommen mir lose Familienverbände mit Kindern mit Schultüten entgegen. Erfreulicherweise nicht nur Mädchen mit Pink und Jungs mit Hellblau. Die meisten scheinen guter Stimmung zu sein – über das Wetter für so einen Tag kann man auch nicht wirklich klagen heute. Senioren, Kinder unterschiedlichen Alters, Kinderwagen schiebende Eltern wuseln, miteinander redend und gestikulierend, durcheinander und über den von alten Bäumen beschatteten Rad- und Fußweg, ganz offensichtlich mit wichtigeren Dingen als dem Radweg vor sich beschäftig – verständlich. Zur Sicherheit klingele ich mal mit meiner Crane Bell Mini Suzu, damit mir keiner verwirrt vors Rad springt. Der Klang ist prima, wird wahrgenommen, man macht Platz. Ich rolle weiter.

Ein paar Stopps zum Ingress-Spielen sorgen zwar dafür, dass meine Geschwindigkeit wirklich mau aussieht, aber dafür habe ich Spaß dran. An der Kreuzung Amtsstraße/Brokdorffstraße kommt der Verkehr fast vollständig zum Erliegen – massenweise Autos von Einschulungsbesuchern an der Schule Brokdorffstraße im Verein mit einer ohnehin schon problematisch engen Verkehrsführung, einer Bushaltestelle, Falschparkern und zwei abbiegenden Gelenkbussen sind einfach zu viel. Beschwingt radele ich an dem sich langsam in wildes Hupen hochschaukelnden Irrsinn vorbei, und brettere mit Topspeed das letzte Stück Straße nach Hause.

Natürlich war DHL da, während ich unterwegs war, und irgendwas darf ich morgen oder übermorgen also an der Post abholen. Sei’s drum.  Erst mal Mittag essen, dann eine Runde an den Schreibtisch und arbeiten. Stattdessen google ich eine Weile Rückspiegel für Fahrradhelme. Muss wohl mal zu einem echten Fahrradladen, mir sowas in natura ansehen. Nun tauche ich für die kommenden 1 1/2 Stunden in Arbeit ab.

Strecken. Ein Blick aufs Wischphone – ich sollte mich sowieso mehr bewegen – offenbart, dass knapp 300 m von hier ein für mich machbarer Pokémon-Raid soeben begonnen hat. Ich schlüpfe in die Alltagsdaheim-Balkon-Schuhe, nehme bei der Gelegenheit gleich den Biomüll mit runter, und spaziere rüber. Angesichts des sonnigen Wetters und weil ich Lust habe, hänge ich noch einen Spaziergang durch den nahen Parkfriedhof mit dran. Dabei mache ich mit der Handykamera ein paar Bilder, die mich beim letzten Spaziergang dort bereits reizten, und formuliere gedanklich ein fotografisches Projekt, das erst mal etwas absurd klingt. Aber warum eigentlich nicht?

cross, decay

Zu Hause notiere ich mir die Idee für das Fotoprojekt in meinem Dump-File in Scrivener.

Die Schuhe bzw. der Spontanausflug, extended edition damit waren in der Retrospektive eine blöde Idee, denn auf dem Heimweg schmerzt das „schlechte“ Knie, was, wie ich durch Trial-and-Error weiß, auf die abgelatschte Sohle zurückzuführen ist. Hätte ich wissen können.

Noch ein Stündchen Schreibtischarbeit. Als nächstes Bewegungsintervall habe ich mir einen weiteren Abschnitt der Balustrade an der Terrasse vorgenommen, der entalgt und geschrubbt werden will – gegen 15:30 Uhr liegt momentan die Terrassen-Nordseite so weit in der Sonne, dass es da viel angenehmer ist. Im Grunde ist es ja unsinnig, die Reinigung im September zu machen, das versifft über den Winter sowieso alles wieder, aber hey, Arbeit draußen!

16:00 Uhr, es zieht sich zu, ich habe rund 6 Meter gereinigt. Die Vorhersage verspricht Regen. Vielleicht muss ich meine Pflanzkübel heute ja nicht mehr gießen, das wäre zumindest etwas. Ich beglückwünsche mich zum guten Timing meiner heutigen Aktivitäten draußen, leere den Putzeimer, und widme mich wieder dem Schreiben.

Ein Nachbar klingelt. Er war längere Zeit weg und ist quasi schon auf dem Sprung zum nächsten Trip, will aber wissen, was jetzt mit der Heizung im Haus sei. Ich teile mein weniges Halbwissen über einen defekten Heißwasserbehälter und den Heizungsbauer mit ihm, erfahre bei der Gelegenheit, dass unsere (neue) Betreuerin bei der Wohnungsverwaltung gerade Urlaub hat. Wir einigen uns darauf, dass er für genauere Infos den Heizungsbauer anruft.

17:00 Uhr. Das letzte Fajita-Seasoning von Savory Spice in Santa Fé wandert mit etwas Essig, Öl und weiteren Gewürzen, da es nicht mehr reicht, auf Hühnerfleisch für’s Abendessen. Das Dump-File bekommt einen Eintrag „Rezeptentwicklung Family Fajita Seasoning“.

20:00 Uhr. Feierabend. Ich schnippele noch eine rote Zwiebel für meine Fajitas und schneide ein wenig Koriandergrün im Terrassengarten. Die Fajitas wandern auf ein Blech, ein paar eingelegte eigene Jalapeños würzen das Ganze. In etwas über einer Stunde ist der Liebste zu Hause, es gibt Abendessen, wahrscheinlich noch irgendwas im TV, und dann krabbeln wir ins Bett.

Kommentar verfassen