Filmnachlese 2017-02

Filmnachlese - movie projector

Im Februar gesehen:

Bosch – Season 2

Mit der ersten Staffel des Amazon-Originals-Dramas tat ich mich zunächst schwer, da ich seit vielen Jahren ein Fan der Harry-Bosch-Romane von Michael Connelly bin, und Titus Welliver mir gar nicht wie der Bosch der (frühen) Bücher vorkam. Dennoch gefiel mir der eher langsame Erzählstil, in dem das Äquivalent eines Romanes in eine Staffel, nicht in ein oder zwei Episoden gepackt wird.

Der zweiten Staffel von Bosch merkt man an, dass die Hauptdarsteller in ihre Rollen gefunden haben, und untereinander die Chemie stimmt – Welliver ist dabei, einen ikonischen Cop-Charakter mit einer eigenen, sehr spannenden Persönlichkeit zu erschaffen; die Handlung ist (bis auf leere Straßen in Los Angeles und Las Vegas) sehr lebensecht und glaubwürdig, und die Serie entfernt sich angenehm von typischen Polizei-Procedurals hin zu einer character-driven Story. Verdammt gute Unterhaltung auf hohem Niveau.

Banking on Bitcoin

Die Doku aus dem Jahr 2016 erzählt die Geschichte von Bitcoin, mit all ihren Verstrickungen, der Suche nach dem ursprünglichen Erschaffer des Codes, und den möglichen Auswirkungen der „Cyber“-Währung auf die Weltwirtschaft. Der Film ist einigermaßen spannend, so man sich für diese Zusammenhänge interessiert, und lohnt sich als solider Einstieg in das Thema; eine Menge der Fragen, die Bitcoin aufwirft, blendet er allerdings aus bzw. spricht sie gar nicht erst an. Durchaus sehenswert.

White Rabbit Project

Kari Byron, Grant Imahara und Tory Belleci, die drei „young guns“ der Mythbusters, haben auf Netflix eine eigene Serie bekommen. Das White Rabbit Project beginbt sich „down the rabbit hole“, und erkundet so diverse Themen wie die beklopptesten Waffenideen des 2. Weltkriegs oder die besten Knastausbrüche; es geht der Frage nach, wo man den stärksten gravitationalen Kräften ausgesetzt ist oder welche Erfindungen aus Science-Fiction-Filmen am nächsten an der Marktreife sind („Where is my Hoverboard?“). Dabei werden die vorgestellten Fälle oder Techniken jeweils nach 3 Kriterien benotet, und am Ende ein Sieger gekürt – nicht immer das, was man erwarten würde. Den Mythbusters kann das Format nicht das Wasser reichen, es ist aber gut gemachtes Edutainment mit ein paar Versatzstücken der alten Sendung. An manchen Stellen denke ich mir, das Trio hätte den besseren Cast für eine Art TopGear USA (für Nerds) ergeben.

Rocky Horror Picture Show (2016)

Ein ausgesprochen gelungenes Remake des Klassikers aus den 70ern, das in der Inszenierung enger an der Bühnenfassung orientiert ist, und größtenteils einen Musical-/Broadwaytauglichen Cast mitbringt. Laverne Cox schlüpft in die Rolle des Frank’n’Furter, Tim Curry taucht als die Geschichte erzählender Märchenonkel auf. Ein nettes Detail ist das in die Verfilmung eingebundene Kinopublikum, das all die Dinge tut, die ein RHPS-Kinopublikum eben so tut. Gute Laune und schmissige Musik – anno 2017 ist die Story natürlich nicht mehr so shocking wie im Jahr 1975, aber viel Spaß macht sie dennoch, gerade wegen ihrer teilweise an Flash Gordon erinnernden Optik.

Ice Age – Collision Course

Einen Teil dieses Films konnte man ja schon als Mini-Film / Teaser sehen – Scrat verschlägt es auf der Jagd nach der geliebten Ahornkapsel ins All, und dabei bringt er das Universum vorhersehbar in Aufruhr. Das Ganze ist der (schön gemachte) Aufhänger für eine Geschichte um einen Asteroiden, der Kurs auf das Mammut-Säbelzahn-Faultier-Idyll nimmt, und das bekannte Säugetierleben ein für allemal vernichten wird, wenn den Helden nicht das Unmögliche gelingt – den Asteroiden vom Kurs abzubringen. Folgerichtig gibt es eine Reihe Verneigungen vor Klassikern wie Armageddon. Leider ist die Handlung sehr konfus – es wirkt, als habe das IceAge-Team mal alles an Ideen auf einen großen Haufen geworfen, und weil es nicht für einen Film reichte, aus den Versatzstücken etwas mit heißer Nadel zusammengestrickt. Ein bisschen Familiengeschichte (Peaches hat einen Freund / Verlobten und will „ausziehen“, was Mammutpappa Manny naheliegenderweise nicht gefällt), ein Besuch in der Lost World der Dinos, magnetverstrahlte Yoga-Hippies (großartig: das Shangri Llama, gesprochen von Jesse Tyler Ferguson), Pirat Buck (Simon Pegg), der ebenso schizophren wie genial ist, böse Dinobirds mit einem Renegatensohn, und schließlich eine Hommage an Neil de Grasse Tyson, der Bucks Alter Ego Neil de Buck Weasel spricht. Viel rasante Action und eine sehr eigenwillige Musikauswahl können den Film nicht wirklich retten – am Ende ist er eine große bonbonbunte Enttäuschung.

Passengers

Das Spaceship Avalon ist auf seiner 120 Jahre dauernden Reise nach Homestead II, zu einer neuen, von Menschen zu besiedelnden Welt. Mit an Bord: 258 Crewmitglieder und 5.000 Passagiere, alle in Hibernation – eingefroren im Tiefschlaf. Doch nach 30 Jahren kommt es zu Fehlfunktionen, und einer der Passagiere, Jim Preston (Chris Pratt) erwacht. Zunächst gaukeln ihm die Schiffssysteme werbespotgleich vor, er befinde sich 4 Monate von der Landung entfernt, doch sehr schnell wird klar, dass er 90 Jahre zu früh aufgewacht ist, und es keinen Weg zurück in seine Hibernationskapsel gibt. Sein einziger Begleiter, der ihn vor dem Wahnsinn rettet, ist Robot-Barkeeper Arthur. Und dann verliebt sich Jim in Aurora (Jennifer Lawrence), eine hübsche junge Frau, neben deren Kapsel er oft sitzt und Aufzeichnungen von ihr schaut bzw. von ihr geschriebene Bücher liest (von ihrer Stimme sprechen lässt). Er trifft den folgenschweren Entschluss, sie aufzuwecken, in dem Bewusstsein, dass er sie damit ihres Lebens auf der fernen Welt beraubt…

Zu allererst ist Passengers Eye Candy für jeden SciFi-Fan. Das Schiff, das mich in vielen Dingen eher fatal an Douglas Adams‘ Spaceship Titanic erinnert, ist wunderschön und fantastisch ausgestaltet. Man merkt, dass viel Liebe zum Detail drin steckt. Die Handlung des Filmes ist (für mich) relativ vorherhsehbar gewesen. Gefallen hat mir, dass Passengers seine Story eher langsam erzählt, und dennoch die Geschichte nie langweilig wird. Einige logische und wissenschaftliche Goofs fallen zwar ins Auge, aber für die Handlung nicht ins Gewicht – keine überragende, dennoch gut gemachte, angenehme Science Fiction-Unterhaltung für einen vergnüglichen Abend mit viel optischen Aaaaaahhhh-Erlebnissen.

1 Kommentar

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