Filmnachlese 2016-12

Fimnachlese

Im Dezember gesehen:

Eddie the Eagle

Die Geschichte von Michael „Eddie“ Edwards, und wie es dazu kam, dass er als Skispringer für Großbritannien zur Olympiade nach Calgary reiste.  Für die Kinofassung wurden ein paar Dinge hinzuerfunden und ein bisschen für die Dramaturgie an den Fakten gefeilt, worüber man aber locker hinwegsehen kann. Eine fabelhaft inszenierte Geschichte über einen Außenseiter, der seinen Traum unbeirrt verfolgt hat, und dadurch berühmt wurde. Eye Candy ist in diesem Fall Hugh Jackman, der als (amerikanischer) Skispringer zwar nicht sonderlich authentisch wirkt, dafür aber sehr viel langbeiniges Cowboy-Sex-Appeal als Kontrast zum schrägen Vogel „Eddie“  liefert. Erstaunliche Auftritte auch von Iris Berben und Christopher Walken. Gedreht wurde Eddie the Eagle hauptsächlich in Deutschland, Garmisch-Partenkirchen ist tatsächlich sehr lebensecht zu erkennen. Gefiel mir, ein Streifen für die ganze Familie mit viel Augenzwinkern und reichlich Rührungspotenzial.

One Mississippi

Eine semi-autobiographische Amazon-Original-Serie von und mit Tig Notaro. Tig, die gerade eine schwere Krebs-OP hinter sich hat, und zu allem Überfluss noch an anderen Nachwirkungen ihrer Chemo leidet, reist nach Bay Saint Lucille, Mississippi, wo sie aufgewachsen ist, da ihre Mutter im Sterben liegt. Dort sieht sie sich nicht nur mit alten Dämonen aus ihrer Jugend konfrontiert, sondern muss auch noch mit ihrem Bruder Remy und vor allem ihrem sehr verschrobenen Stiefvater Bill klar kommen (großartig von John Rothman verkörpert). Der Zusammenprall von lesbischer Radiomoderatorin und spießigem Südstaaten-Kaff dagegen fällt gar nicht so harsch aus, wie man vermuten sollte. Klingt eigentlich ziemlich belanglos, ist aber wunderbar anzuschauen, wenn man den unglaublich staubtrockenen Humor von Notaro mag; gewürzt wird das Ganze noch mit einigen stark an Six Feet Under erinnernden schrägen Einschüben. Ich habe die sechs Episoden jetzt schon das zweite Mal geschaut…

The Magnificent 7 (2016)

Kam mit ebenso vielen Vorschusslorbeeren wie Ballast vom Original. Erfreulich: es wurde nicht der Klassiker einfach nur nachgedreht, sondern die 2016-er-Ausgabe hat eine eigene Storyline, die lose ans Original angelehnt ist. Entsprechend traut sich Regisseur Antoine Fuqua auch, die Helden ein wenig anders zu besetzen: ein Schwarzer, ein Mexikaner, ein Asiate und ein Indianer gehören zu den glorreichen Sieben. Der Anfang des Films  ist allerdings entsetzlich langatmig, und auch sonst gibt es ein paar Längen (u.a. ein etwas zu umfänglich geratener Shoot-Out in der belagerten Stadt). Kein großer Wurf, kein Django, aber ein grundsolider, gut gemachter Western allemal. Besonders gefallen hat mir Ethan Hawke als ausgebrannter Bürgerkriegsheld, aber auch Denzel Washington macht als Badass eine gute Figur. Solide Abendunterhaltung, wenn man das Genre mag.

Finding Dory

Zu Anfang dachte ich noch: WTF. Erzählen die jetzt die Nemo-Geschichte nochmal? Aber alsbald stellte sich die alte Faszination der bunten Pixar-Unterwasserwelt wieder ein, dank eines ausgesprochen gekonnten Storytellings, das Elemente aus „Finding Nemo“ geschickt mit der Handlung dieses Films verknüpft. Spätestes beim wunderbar grantigen, supersmarten Oktopus Hank war ich aber ein Fan (Bitte gebt uns einen Film über Hank!). Dory sucht ihre Ursprünge, und alle anderen suchen Dory, die erneut im Original perfekt von Ellen DeGeneres zum Leben erweckt wird. — Für Kinder wie Erwachsene ist Finding Dory ein ganz großer Spaß!

BBC Planet Earth II

Wie schon die erste „Planet Earth“ Reihe betört auch dieser Sechsteiler durch fantastische Aufnahmen der wilden, lebenssprühenden Natur auf unserem Heimatplaneten, begleitet von der Stimme von David Attenborough, der uns all die faszinierenden Dinge erläutert und nahebringt. Ein wenig erfaßt mich Wehmut, weil ich befürchte, dass viele dieser schier unglaublichen Aufnahmen eines Tages nur noch als „historische Dokumente“ der Vielfalt des Lebens auf dem 3. Planeten unseres Sonnensystems dienen werden. Beim Schauen gehen mir die Superlative für die Leistungen der Kamerateams und die gezeigten Naturspektakel aus. Grandios. Die deutsche DVD-Fassung ist aus unerfindlichen Gründen um 50 Minuten gekürzt, aber da ich ohnehin Attenborough im O-Ton hören will, ist die britische Import-BluRay genau das richtige (da kommt auch die Qualität der Bilder auf dem 4K-Fernseher so richtig zum Tragen).

Casino Jack

In diesem Film aus dem Jahr 2010 schlüpft Kevin Spacey in die Rolle von Jack Abramoff, und minutenlang fühlt man sich an House of Cards erinnert. Der Film, der wie eine Screwball-Kreuzung aus HoC und Wolf of Wallstreet wirkt, basiert auf wahren Begebenheiten, nämlich einem riesigen Politik-Lobbyisten-Skandal, dem Jack Abramoff Indian Lobbying Scandal.  Leider ist der Plot nicht zwingend, und die immer hanebüchener werdenden Projekte / mentalen Luftschlüsser Abramoffs und die sichtliche Unfähigkeit seiner Mitstreiter, mit Geld umzugehen, lassen einen irgendwann nur noch den Kopf schütteln. Dennoch legt der Film sehr deutlich den Finger in schwärende Wunden des US Politik-Lobbying. Smart und unterhaltsam, vor allem durch die schauspielerische Leistung von Spacey, die ihm eine Golden-Globe-Nominierung einbrachte. Noch spannender als der Film ist es allerdings, über die tatsächliche Affäre nachzulesen.

Scrooged (Die Geister die ich rief)

Ein moderner Klassiker. Weinachten, Dickens, Murray. Alle Jahre wieder.

Der Wixxer

Zufällig im TV dran hängen geblieben und mal wieder angesehen. Mit vielen Effekten und Witz ins Szene gesetzte Hommage an die alten Edgar-Wallace-Schwarzweiß-Filme im deutschen TV. Hier und da etwas zu viel Frühstyxradio-Klamauk, an anderen Stellen brillant komödiantisch, macht auch nach 12 Jahren durchaus noch Spaß. Grandios: Christoph Maria Herbst als Alfons Hatler.

Love the Coopers

Kam als Preisrätsel-Gewinn-BluRay ins Haus, wir haben es dann aber einfach auf Amazon Prime geschaut.  Der deutsche Titel „Alle Jahre wieder – Weihnachten mit den Coopers“ muss natürlich un-be-dingt Weihnachten im Titel haben, damit’s auch der letzte kapiert…  Diane Keaton, John Goodman, Olivia Wilde, Alan Arkin und Anthony Mackie in einer Weihnachtsstory um eine weit verzweigte ganz normal kaputte Familie mit ein bisschen Weihnachts-Herzschmerz-Drama.  Sehr viel besser und mit sehr viel mehr Tiefgang versehen als erwartet – angenehmes Weihnachts-TV.

Winnetou (RTL-Dreiteiler)

Diesem „TV-Event“ habe ich eine Sonderausgabe der Filmnachlese gewidmet.

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